Samstag, 29. Juli 2017

Aschaffenburg - Im Ort

Es gibt aus den letzten Wochen zwei wunderbare Geschehnisse, die ich 'so' seit Jahren und vielleicht seit meiner Jugend in Bern nicht mehr erlebte. 

Durch den Umzug ins Herz von Aschaffenburg leben wir statt in der Struktur vormaliger Vororte im Zentrum einer kleinen, attraktiven Stadt. Wichtig: es ist für uns alles FUSSLÄUFIG. Hundespaziergang, zum Main, zum Schloss, zum Markt, zu den täglichen Geschäften, zur Eisdiele, zum Bahnhof, zur Massage, zum Zahnarzt ... stets zu Fuss, die paar Meter.

Ausgangspunkt Agatha-Platz, Aschaffenburg

Was war passiert?
Das erste Geschehniss, welches ich so mochte war, dass meine Liebste und ich mit Phibi draussen bei einem italienischen Lokal, dem Pomodorino, am Bahnhof Abendessen bestellten. Als wir die feinen Gerichte assen, kam Stephan "des Weges". Herzliches Begrüssen, Stephan ist der erste Nachbar, den wir hier kennen lernten und mit dem ich unterdessen befreundet bin - uns trägt die Kunst und das Feine. Nach wenigen Worten setzte er sich zu uns an den Tisch und bestellte ebenso. Es vergingen beim fröhlichen Gespräch wenige Minuten, als Stephan eine Frau begrüsste, die ich vom Zebrastreifen vorm Haus her vage erfasst hatte. Uns entstand an der Strasse ein freundliches Nicken. Jetzt stellte uns Stephan Hildruth als seine Nachbarin vor, die im obersten Stock seines Hauses wohnt. Es ist die einzige weitere Wohnung, die wie wir einen Balkon hat. Ihre Wohnung liegt uns gegenüber. Hildruth setzte sich ebenso zu uns. Und so hatten sich zwei spontan zu uns an den Tisch gesetzt. Wer im Weiteren noch alles begrüsst wurde, .. es war eine Zahl von Bekannten, Freunden, Unbekannten, etc. Zuhause sagte ich zu Elke: "Wann haben wir das zum letzten Mal erlebt?" - wir genossen es spürbar.


Und noch?
Gestern früh schrieb mich in XING eine Frau an, mit der ich seit vielen Jahren verknüpft bin. Sie schrieb: "Ich habe festgestellt, dass du in Aschaffenburg wohnst - wollen wir uns einmal treffen?" - Ich hatte sie vor Jahren zuletzt bei einem GFK-Seminar in Frankfurt getroffen. Das war also am Morgen. Bei der letzten Hunderunde mit Phibi, am selben Tag gegen 21.30 Uhr, schlendere ich mit der Kleinen im Dunkel der Bäume, über eine Grünfläche, die in der Mitte einer grossen vierspurigen Strasse angelegt ist. Ich bin also mit dem Hund, da ruft von der Strasse her eine klare, helle Frauenstimme: "Hallo? Jona? Bist du es?" Ich drehe mich um und schaue ins Gesicht einer Frau in einem kleinen Renault Twingo. Es ist Annette, jener XING-Kontakt, der morgens geschrieben hatte. "Ich wohne auch hier in Aschaffenburg - und ja, ich habe zwei Hunde" - einer guckt vom Rücksicht durch die Scheibe. Ich kann gerade noch zurufen: "Ich melde mich bei dir", da musste sie losfahren. - Wann zum Kuckuck hat mich jemand zuletzt auf der Strasse gerufen? :-)


Diese beiden Geschehnisse, so klein und selbstverständlich sie sein mögen, ich hatte sie viele, viele Jahren nicht mehr erLEBT. Nicht, dass wir nicht Kontakt hatten, doch der musste verabredet werden. Diese "Treffen" hier entstanden ortsbedingt und weil ich zu Fuss unterwegs war. Es war real, statt online. Es war wie damals in der Jugend, als ich mit 'tous Bern' in den Gassen und Clubs verbunden war. Das tat gut, das schüttete Glücksgefühle aus, flourishing pur. Das verbindet, trägt Nähe in sich. Kontakt.


So freue ich mich auf nächste Begegnungen, vielleicht mit Pierre, Guido, Bernhard, Adrian, Claudia. Claudia hat ja schon zum Gläschen eingeladen, vormittags in der Boutique. Der Ort - er belebt mich. Und das ist gegenüber all meinen Altersbedenken richtig erquickend.

Jona Jakob, Aschaffenburg, Juli 2017


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