Dienstag, 19. Dezember 2017

Sich zu Weihnachten besinnen ... - keine leichte Aufgabe in 2017.

Dezember 2017


Liebe Leserinnen und Leser

Freunde und Bekannte

Einst war Weihnachten in meinem Leben, ich bin ein 62-er, die Zeit, als das Christkind kam, Jesus später, man war artig erzogen und huldigte auch gefühlt einer mir nie erkennbar gewordenen Autorität, die ich eher auf die damalig gesellschaftliche Stimmung in der Schweiz beziehe. Der Kommunismus war noch da, die Russen für viele Schweizer direkt vor der Tür.

Später, ich war jugendlich entwachsen, fuhr Auto, hatte eine erste Lehre in der Tasche, da waren Weihnachten eher ein Ding bei Muttern. Da wir meist Open-House feierten, in einer Mischung von warmem und kaltem Buffet an Leckereien und Traditionellen und eben einer laufend rotierenden Schar von Gästen, verlor die eigentliche Geschichte etwas von ihrer Erzählung. Niemand kümmerte einen Heiland. Aber liebevoll waren, wir, nett, adrett, zugewandt und disco-stylish. Wir metamorphten von Poppern zu Yuppies und blieben mit Falco einfach junge Römer, tanzten wir anders als die anderen.

Jahre später, ich war verheiratet, es waren also zwei Familien zu pflegen, wurden Weihnachten irgendwie affig und zwangsartig. Das klärte sich im zehnten Jahr Ehe, als ich zum 24.12. für mich nach Spanien fuhr und Susi heimlich Housi (Hans) zu ihren Eltern einlud, Weihnachten zu feiern. Der Pragmatismus des Schwiegerelternhauses schoss förmlich auf Jesus, "schiss" könnte man auch schreiben. Hauptsache ich war weg, egal wie.

Dann kamen andere zehn Jahre. Das Menschsein gewann wieder an Boden, das Internet machte das Miteinander modern und so feierte ich doch immer wieder redlich, meist mit einer Liebsten, lieben Leuten und Gästen und war Gast. Das Leben hatte mich ein zweites Mal in sich geworfen, ich hatte mich entschieden, leben zu wollen und wenn Ja, dann auch in guter Art und Weise. Das ist dann bis heute fein gewachsen.

Mir - der ich gänzlich ohne Kirche erzogen wurde - mir war das mit Weihnachten nie ganz egal. Es gab stets dieses Gefühl, vor irgendwas dann doch noch einen letzten Rest Respekt und Achtung zu haben, alleine, in dem man es nicht in Frage stellt, sondern lässt, als Teil meiner Menschheit und Zeit meines Menschseins. Mir ist Weihnachten durchaus bewusst. Denn gerade das Denkende an meinem Geist und meiner Seele sieht keinen Weg, die Glaubensgeschichte, unsere zu Jesus und Gott, irgendwie wegzureden. Unsere christliche nicht, noch die der Muslimen, der Orthodoxen, der Griechen, Juden noch sonst wem. Glauben, wenn für mich auch nicht fassbar, gehört den Menschen, die diesem erwachsen sind. Wer bin ich, das in Frage zu stellen? Und wozu sollte ich?

Per aspera ad astra - Über steinige Weg zu den Sternen. - Unser Zuhause, unser Miteinander.

Dieses Jahr, 2017, wird es schwierig. Zu viele nationalistische, rechtsorientierte, autoritäre, ehre-orientierte und machtgeile Entwicklungen sprechen in ausgerufenen Parolen alles aus, was gegen das Bildnis der Weihnacht spricht. Es herrscht die blanke Aberkennung. Weder versöhnen sich Länder oder die Politik, noch hält sich der Neoliberalismus zurück. Und für mich sind es nicht die einzelnen Figuren, die täglich namhaft in den Nachrichten genannt werden. Es ist für mich die Menschheit an sich, die Masse, die Wählerschaft, global. Sie sucht überall ihren Führer und lässt sich am anderen Schwanzende vom Amazon genüsslich aufzehren - die Matrix life.

Die Menschen sind stolz auf ihre neuen Uniformen, die sie als Soldaten lenkt, sei es für Kriege und die Zerstörung "anderer" Menschen - als gäbe es das, 'andere Menschen', denn es sind immer Menschen. 


Oder die andere Uniform, die des angepassten Konformisten, die sie zu Konsumenten eines sisyphos-artigen Konsums macht, dem Glaube verfallen, damit irgendwie "optimaler" zu werden. 


Es ist dann nur ein Lachhaftes, mit welchen formlos weichen Eiern und mit welch perversem Pragmatismus Produzenten aus Schoko-Weihnachtsmännern gendergemässe Jahresendfiguren machen und wir die eigenen Lieder nicht mehr singen, weil ja darin das Leben mit seiner Ganzheit, auch der unbequemen, erkennbar werden könnte. Wir sind nicht moralisch "auf dem richtigen Weg der Entwicklung" - nein, wir sind mE ferner den je, emanzipiert uns selber zu werden, als Frau, als Mann, als Kind und Mensch, auch Tier und pflanzlichem Wesen. Wir fressen uns selber auf und sitzen dabei schweigend in einer täglichen Unzahl von Fallen. Wir tun wirklich alles, aber schenken tun wir uns damit vermutlich nichts - eher im Gegenteil.

Es mag eine volkswirtschaftliche Pflicht sein, zu sehen, dass es mir in meiner Selbstverantwortung gut geht. Das bedeutet aber nicht, dass es neben dieser Haltung kein weiteres hergebrachtes Verstehen davon gibt, dass man das auch anders auslegen und leben könnte. Das Deontologische, die Pflichteinhaltung bis hin zum eigenen Nachteil, ist eine solche Haltung. Dort verzichtet man auf seinen Vorteil, dort nimmt man das Negative in Kauf. Dort hält man den Schmerz aus und trägt die Last, die mit etwas verbunden ist. Von welcher Idiotie ist der Gedanke, entweder Gott ODER Allah?

Deon verplichtet den Gottgläubigen zu denken, dass es auch einen Allah gibt für alle Allah-Gläubigen. Und auch einen Messias für Messias-Gläubige. Wir hätten an die Gemeinschaft genau "so" zu glauben und für sie einzustehen, wie für uns selbst. Heute aber, 2017, schauen wir nur für uns selbst, als gälte es, das eigene Schiff auf dem wir schwimme zu versenken.

Bloss weil wir nicht in der Lage sein mögen, und ich behaupte mal, das wäre halt anstrengender, was meint: nachteilig, lassen wir uns unseres entwickelten Profils entmächtigen, werden formlos und unerkennbar, breiig und etwas, was man mit einer Hundetüte nicht aufnehmen kann.

Nur um es einfacher und bequemer zu haben!

Das war aber nie die Idee der Weihnachtsgeschichte. 


Im Gegenteil, es wurde ein leidensreicher Weg eines Menschen, der jung zu Tode gebracht und seinem Leben damit entrissen wurde. Das beschäftigt mich, den Ungläubigen, heute und jetzt, da ich schreibe.

Ich brauche nicht an Gott und 2000 Jahre Christentum zu glauben oder dieser Religion zu folgen. Ich brauche bloss mehr Mensch werden zu wollen, als es die Gemütlichkeit und Formlosigkeit von mir verlangen.

Ich brauche nur in den Vorschuss, das Wagnis, den Mut und ins Risiko eines noch so gewagten Miteinanders gehen mögen, wo ich spüre, in meiner ganzen Schönheit zu strahlen, egal wie fremd ich für andere bin, und ich werde christlich genug, nicht mehr glauben und hoffen zu müssen recht zu sein, sondern mich emanzipiert zu haben als das, was Gott schaffen wollte: 


Mich, als Mensch!  


Das ist mein Angebot und meine Hand, meine Gesicht und mein Herz zum Miteinander. Hier muss ich mich längst nicht mehr entscheiden.

Ich glaube, 2017 ist ein Jahr, von dem wir 2020 sagen werden: Dort hätten wir die Weichen umstellen müssen - jetzt ist es zu spät. Und selbst wenn sich das Politische wieder beruhigen sollte oder tragbar bleibt, das Amazon(e) wird uns weitaus mehr "drogensüchtig abhängig" machen, mit jeder Alexa ein Stück mehr. Sie meinen, ich übertreibe? Ich habe durchaus nichts, gegen all diese "Mittel", insofern sie Mittel bleiben würden. Doch das tun sie längst nicht mehr. Wir, die Konsumenten, sind deren Mittel und bedienen diese neuen Führer mit Informationen, Verhalten, Kaufmustern und Krankheitsdaten. Wir werden gerade DEREN MITTEL.

Sonst schreiben Sie mir, wo genau Sie noch freien und unabhängigen Denkraum erkennen können, ob im Alltag, geografisch oder von einer philosophischen Warte aus. Sagen Sie mir: WO genau?

Ich streite mich nicht mit Ihnen, ich möchte Sie motivieren, die Frage aufzunehmen und jenen Raum uns finden lassen, in dem wir noch wir sind und bleiben können, bevor wir uns irgendwie als Nichtse dissen lassen müssen.


Besinnliche Weihnachten - tut mir leid, wenn es in diesen Zeiten nicht so leicht ist, fröhlich zu tun.


Ihr Jona Jakob


Ich danke für all die Liebe, die mir meine Partnerin Elke und unser Hündin Phibi schenkt. Ich danke für alle Bezüge, Beziehungen, Grüsse, Lacher, Aufträge, Anvertrauen, Streite, Rangeleien, Dispute und Debatten. Ich danke denen ebenso, die es mir schwerer machen, wie denen, mit denen es ring geht. Das Unliebsame ist kein geringeres Lebensgefühl, wie das, was einer "unexpected grace" nannte. Ich danke dem Universum für das neue Café am Agathaplatz. Und ich grüsse, meine Augen kurz schliessend, meinen Freund Stephan, der im Sommer verstarb.


Sie sollen sich zu Weihnachten besinnen. Zwischen den Jahren lassen Sie das sacken. Weil, zum Neuen Jahr gilt es, sich zu verfassen, auf ein nächstes Jahr in Haltung und Festigkeit, Mut und Freude, so dass man selber deutlich ist und uns andere daher folgen mögen. Deon - zuerst die unangenehme Pflicht. Da bin ich alter Schule. Oder mein Vater. Oder Coach.

Ihnen und Ihren Angehörigen alles Gute und Stärkende.


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