Donnerstag, 23. Februar 2017

Würde - nicht Ehre als gesellschaftlicher Nenner des Demokratischen und Europäischen


Wenn einem all der Wandel, der uns geopolitisch unter die Decke kriecht nicht geheuer ist, weil nicht gleich nachvollziehbar was uns da widerfährt und ob man davon überhaupt betroffen ist - dann hilft vielleicht eine kleine gedankliche Stütze:

Was auf uns zukommt, was bereits um uns herum kreucht und uns täglich betroffen macht, durchdringt und uns versucht einzunehmen, durch Putin, Erdogan, IS, ja sogar Trump, den ganzen Türkischen Faschismus, den Polnischen Faschismus, den Populismus und Nationalismus, etc...


... das sind Forderungen unter dem Begriff EHRE:


Ehre ist eine Konzeption des "verdienten Achtungsanspruchs" - und hierfür wurden in der Menschheitsgeschichte schon Abermillionen von Menschen getötet, geschlachtet und hingerichtet. Diese Menschen wurden mitten in ihrem Leben ihres Lebens beraubt. Für irgendeinen einzigen Vogel, einen Tyrannen. Wir sind über Gas, Macheten, Kalaschnikows und Massenvergewaltigungen schockiert, über Zwang und Denunziation. Doch was das Grauen im Grauen ist, ist der Raub von möglichen weiteren 15, 28, 46, 70 Jahren Leben, die ein getöteter oder weggesperrter Mensch noch hätte leben können. Friedlich und prosperitiv leben.

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Diese Gewalt macht uns irgendwie ohnmächtig, sie lähmt uns, wir schauen fassungslos zu - weil wir allenfalls nicht wissen, welche Konzeption wir vertreten und wir 'fordern', was wir auf unsere Fahnen geschrieben haben, in unsere Verfassungen und gesät im Boden unserer Demokratien. Unser Gegenstück, schier "Antipode" ...

... sind Verständnis, Forderung und Haltung unter dem Begriff WÜRDE:


Speziell mit dem Wort Menschenwürde verbinden wir, niemanden zu Tode zu schlagen. Vielmehr vertreten wir eine Welt und ein Miteinander, welches jedem Menschen sein Leben per Leben ermöglicht, bis hin zur Abwendung von der Todesstrafe. Heute weitet sich dieses Verständnis auf alle Wesen aus - der Veganismus ist die aktuelle Erscheinung ... und eigentlich ist die Frage nach dem Fällen von Pflanzen irgendwie nicht zu verdrängen. Jedenfalls hat Würde zum Ziel, zu erhalten. Das ist das Gegenteil von Vernichten. Wir glauben nicht an einen Einzigen, dem alles zu unterordnen ist. Wir glauben an Alle und das grosse Ganze. Wir glauben und vertreten das Miteinander.

Europa ist nicht die EU. Europa ist mein Portugalstrand, meine Spanientappas, mein Frankreichkäse, mein Schweizerfondue, mein Deutschspätzle, mein Dänischdinkel, meine Hollandtulpen, meine Italienferien, meine Griechenlandtänze, meine Freunde hier und dort, meine Hotels, Gegenden, Gerüche, Sprachen, Orte, Meere, Strände, Häuser, Berge, Ebenen, Menschen, Menschen, Menschen ... meine Kirchen, Schlösser, Brücken, Dämme, Städte, Museen, Bibliotheken, meine Künstler, Politiker, Institutionen und offenen Grenzen und vieles meiner ganz persönlichen Freiheit meine Lebens. Europa ist kein Konstrukt - es ist meine Haltung im Leben von Würde, Freiheit und Anerkennung. 


Ich kann nicht garantieren, dass Ihnen nicht eines Tages der Schädel eingeschlagen wird, aber was jedem von uns möglich ist, ist sich innerlich zu stärken, in Gedanken, in der Haltung, in der Kommunikation, auch im STOPP oder NEIN gegen Entwicklungen. Wir können argumentativ stärker werden, konsistenter, wacher, schlagfertiger. Wir können in der Community Dinge verhindern und anderen die Waffen aus der Hand nehmen. Wir können Schreie nach Liebe hören und Empathie vorschiessen. Wir können etwas tun. Wir sind nicht wehrlos.

In dieser Hinsicht beeindruckt mich immer wieder dieses Bild des genagelten Jesus, den wir noch nach 2000 Jahren beeindruckt zu dieser Zeit würdigen, weil er im Angesicht seiner tödlichen Repressalien verzieh - würdig verzieh. Er und seine Haltung sind seither ungeschlagen. Und ich bin ja kein Religiöser - aber philosophisch genug, in der Sache den Geist zu erkennen, bin ich schon. Das geht durchaus.

Würde - nicht Ehre!

Herzlich

Jona Jakob


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