Freitag, 22. Juni 2018

Demokratie und Konsum

In einer Konsumwelt, in der dein Intellekt sich nur um die optimierende Wahl aus allen Optionen noch kümmert - bester Cafe, beste App, bester Partner, etc - ist das aktive Mitmachen und Denken in einer Demokratie nur eine belastende Hypothek und damit kein Komfort mehr.

Jona Jakob, 2018

Freitag, 15. Juni 2018

Romantik des frühen Morgens

Romantik des frühen Morgens: Im Mietshaus hörst du in der Stille den Fernseher der obigen, älteren Nachbarin, die nicht ungewohnt im Fauteuil genächtigt hat. Manchmal fällt ihr dabei die Fernsteuerung aus der Hand und es rumpelt. Ich weile dann gedanklich bei ihr. 

Text by JJ (r)

Mittwoch, 13. Juni 2018

Hören als Zugang zu mir.

Bei HiFi-Geräten nennt man es einen Zugang. Manchmal auch einen Ausgang, aber die meisten Stecker an der Rückseite sind Zugänge. Irgendwas kann da rein.

Ich sitze, würde man mich beobachten, in einer Art Trance oder Unbeweglichkeit und mit geschlossenen Augen im Sessel, der sich zentral gegenüber meiner HiFi-Anlage positioniert.

Bild: Eigentum (r) Jona Jakob, Coachingraum

Als Musik ist gewählt ein 'te deum' von Arvo Pärt, der Chor singt. Ich versinke. Versinke in der Klanggewalt hochwertiger Lautsprecher und neu erhaltenem Verstärker mit CD-Spieler. Das war alles nicht teuer, zählt aber in der HiFi-Welt zu den sehr guten Klangquellen. Hier vereinen sich, falls Kenner lesen, zwei Infinity Kappa 7, ein NAD Vollverstärker und ein NAD CD-Spieler. Mehr nicht.

Auch wenn alles sehr repräsentativ aussieht und beeindrucken kann, HiFi, also das Hören von Musik, bleibt keine Frage des Aussehens sondern des Hörens. Was an Klang entsteht? Und von welcher Qualität ist dieser? Und last but not least, was vermag ich selber zu hören?

Eine kleine Klammer dazu, was ich zu hören vermag. Ich stehe vor einem HiFi-Fachgeschäft und dort stehen zwei schwarze Geräte, die enorm grosse Masse haben und an ihren Frontseiten nicht mehr, als eine Leuchtdiode. Nicht ein einziger Knopf. Der Preis ist mit 4000.-- angegeben. Jetzt will ich mehr wissen und betrete das Geschäft. Der freundliche Herr nach meinen Fragen: a) Ja, je Stück 4000.--, und dass das Geräte sind, die je Stereokanal (also mono, wenn zwei) die Spannungsschwankungen des Stromnetzes ausgleichen. "Aha!" - Ich verstehe aber nur Bahnhof. Der Herr: "Setzen Sie sich hin, ich spiele es Ihnen vor." Er spielt Musik ab, mal mit diesen beiden Kisten, mal ohne. Ich: "Bitte nochmal mit ... - und jetzt nochmal ohne." Dann sage ich: "Wenn die Geräte zugeschaltet sind, höre ich die Musik in dem Sinn klarer, als würde man mir eine vernebelte Sicht per Optikeinstellung auf volle Sichtschärfe einstellen - ich kann alles messerscharf erkennen. Oder wie in diesem Fall "hören"." Der Herr: "Wenn Sie das hören, lohnt sich für Sie der Kauf." Er staunte nicht schlecht ... Was mich erstaunte: Wie schwammig und vernebelt die sonst so klar wirkende Musik herüber kam, wen die Dinger nicht angeschlossen waren. Wir hören generell einen fürchterlichen Brei. Jedenfalls ich, egal was die Tonquelle oder Medium ist und die sind ja in den letzten 20 Jahren nicht fetter oder besser geworden. Was wir im Stream oder als MP3 hören, ist der Durchfall der Klanggeschichte.

Bild: Eigentum (r) Jona Jakob, Vollverstärker, CD-Spieler

Wenn ich zuhöre, ist das intensive Arbeit. Gehe ich in ein Symphoniekonzert, ist es nicht selten der Fall, dass Menschen danach fragen, ob es mir gut geht? Ich sehe aus, als hätte mich ein Hund etwas zu lange in seiner Schnauze zerkaut, müde und abgekämpft, habe Ringe unter den Augen und meist stehe ich nicht wirklich aufrecht, bis hin zur Schwindeligkeit. Ich bin im Konzertsaal auch nicht scharf darauf, viel zu sehen. Wichtiger ist mir bei der Platzwahl, wo ich was auf die Ohren bekomme. Dann tauche ich mit geschlossenen Augen ein - und höre.

In Coachinggesprächen höre ich weit über meine Ohren hinaus mit allem, was für mich zu meinem Torso gehört, also allem außer den Beinen. Ich höre besonders mit den vorderen Oberarmen, dem Brustbereich, dem Hals. Wichtig sind auch der Rücken und ganze Partien im Gesicht und am Kopf. Ich höre mit den Handrücken und den Rücken meiner Finger.

Gerade höre ich das zweite Stück aus dem te deum. Ich bin nicht versunken, obwohl alles so aussieht, ich bin vielmehr höchst präsent und freudig angetan. Der saubere Klang geht in mich rein. Wer auch immer was an Genussmitteln in seinem Leben genossen hat weiss, was davon gute Ware ist und wie die sauber wirkt. Hier ist es das Mass und die Qualität von Klang. Das Werk von Arvo wird plastisch. Seine Sprache der Komposition und des Arrangements, die Orchestrierung aus seinem Dirigieren (Conduct),  kommt durch, es fehlen keine Silben, Enden, Absätze - alles tritt hervor, als stünden der Chor und die Streicher im Raum.

Hören als innerer Zugang.

Ich kann danach nachts nicht schlafen. Ich bin wie von Vitamin C wach geladen und geistig präsent. Mich zieht heute keine Pflicht oder Termine ans Arbeiten. Ich bin sonst belebt.

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Was mich aufstehen lässt und seit längerer Zeit wieder mal Philosophie lesen, ist die Reinheit der gehörten Essenz. Der Zugang des reinen Hörens erweckt in mir den Zugang zu geistigen Sphären, zum Hören, Lesen, Ruhen, Verstehen, Fühlen und Verarbeiten. Dank dem unfassbaren Klang und meiner Fähigkeit, diesen  sensitiv aufzunehmen, schliesst dieser in mir jenen Kosmos auf, in dem ich den Dingen auf den Grund gelange - ich lebe in dem Moment, intensiv und mit allen Sinnen. 


Bild: Eigentum (r) Jona Jakob, Der Raum unterstützt das Erlebnis.

Als gegenteilige Reaktion kenne ich mich, mitten im Gespräch hektisch auf die Radioknöpfe zu drücken, weil "ich den Scheiss, der meine Ohren zumüllt, nicht länger ertragen kann".  - Alle sind konsterniert. Mag sein, das tut mir leid. Ich mag es aber nicht tauschen gegen mein Glück der Geburt, über reines Hören einen Zugang zu haben, der mich erweckt.

Gute Nacht.

Text by JJ, 2018


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Samstag, 9. Juni 2018

Die Bettstatt

Limbach genoss den Luxus eines guten und teuren Bettes. Er wusste um das Gestell, die Höhe, den Rost und den Aufbau von Materialien der Matratze selbst. Er erfuhr um die solide Getragenheit, edler und frischer Bettwäsche, leichter Daune oder gar Eider. Er kannte das alles. Doch bei allem verführerischem Dunst, den eine edle Bettstatt so zu verbreiten vermag, blieb er in sich selbst der Typ, der die einfache Bettstatt vorzog, den Boden, die Matratze, ein Laken, nicht selten bloss das Sofa, das Gästebett in einer Kammer. Limbach hatte mehr als die Hälfte seines Lebens in keinem normalen Bett geschlafen, was er erst im Rückblick erkannte - dann aber sich nicht daran stieß. Für ihn war das der Schlaf des Wandersmannes, des Gastes, dem Fremden. Dünner Schaumstoff, Decken, Ecken und wenig Licht lebte in ihm wie das Schlichte eine Stückes Brot mit Wasser, Tee oder Wein. Vielleicht war es ihm auch nur eine lieb gewonnene Weise, sich der Nähe von täglichen Menschen zu entziehen, Distanz zu finden, ungeteilt und alleine nächtigend, selbst in fremden Wohnungen in die Ferne verabschiedet mit "Schlaf gut, wir sehen uns morgen früh." - Wenn Limbach zeitweise doch in richtigen Betten schlief, dann meist, weil er eine Seele verwöhnen wollte, eine Liebste, die geborgen sein sollte, gehoben, warm und in ihren Schlaf vertrauend. Dann gab es da ein richtiges Bett. Aber er selber, er wäre nachts losgefahren und hätte auf der Rücklade des Wagens geschlafen, im Kombi, die Klappe offen, hart und mit dem Blick über etwas, das sich am Morgen erst zeigen sollte. Die Decke würde nach dem Radkastenriechen, etwas vertrocknet und für Erste Hilfe noch nie gebraucht. Und wie er auch unterwegs gewesen wäre, wäre er auch wo gegangen. Früh, leise, aber weg.

(r) Jona Jakob, 2018

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Dienstag, 5. Juni 2018

Die Unangenehmen

Es ist nicht so, dass die Unangenehmen einem weniger lieben.

Jona Jakob, 2018

Samstag, 19. Mai 2018

Limbachs Strich

Limbach hatte sich in Bern in einen jener Züge gesetzt, die über Basel hinaus direkt nach Deutschland fuhren. Mit seinem Umzug von Frankfurt nach Aschaffenburg musste er seit neuestem weiter nach Hanau fahren, um dort Richtung Würzburg umzusteigen. Er stieg erst einmal in Basel am Bahnsteig aus, wo er über fünfzehn Minuten Wartezeit hatte. Als er nach einem Getränkekauf seinen Wagen wieder betreten wollte, begegneten sich vier eher lässige Leute noch vor der Wagentüre für ein herzliches Wiedersehen. Limbach stieg in den noch sehr leeren Wagen ein.
Später setzte sich einer von den Leuten vom Bahnsteig gegenüber an den anderen Tisch. Der Mann hatte krauses Haar, eine lässige Brille, war von schmaler Statur und hatte neben seinem Gepäck auch ein Instrument zu versorgen. Limbach ordnete dem Kasten einer Violine oder Bratsche zu. Man nickte sich freundlich zu.

Sonntag, 6. Mai 2018

"Durch diese hohle Gasse ..." - das werde mehr und mehr ich.

Ich bin ein intensiver Nutzer des Internets. Und ich  bin nicht nur Konsument, nein, ich bin zu massgeblichen Anteilen, vermutlich den grösseren, Produzent fürs Internet: Ich surfe kaum - aber ich lade hoch, schreibe, poste, habe Webseiten, Blogs, Accounts, Beiträge, Kommentare etc.

Natürlich bin ich auch Konsument. Zum Beispiel von Presseprodukten wie Bild, FAZ, NZZ, Spiegel, Tagesanzeiger, etc., von Youtube, Facebook, Google+, etc. etc. - ich lese Blogs, Websites, Beraterblogs, PDFs, etc.

Online verfüge ich über Bankkonten und diverse Logins.

Und jetzt stoße ich mehr und mehr an meine Limite.

Wer zuvor im Internet alles dachte, ich sollte hier lang und da lang, mich hier anmelden und dort einlogge, da meine Angaben mitteilen und diesen Klick-Way abfolgen, der überfordert seit geraumer Zeit meine Kapazitäten. All die "hohlen Gassen, durch die ich kommen sollte" (Schiller / Wilhelm Tell), die überfüllen mich - ich bin plötzlich der Kanal, also die 'Gasse'.

So ertappe ich mich, wie ich online-Einkäufe von privaten Konsumgütern meiner Liebsten überlasse. Die ist Weltmeisterin im Suchen, Finden und Bestellen. Sie nimmt dann auch all die Folgewerbung, die Feedbackanfragen, die Bewertungen, den ganzen Gutschriften- und Bonsballast ... das macht sie alles gerne mit. Ich nicht. Waste.

Bild: Jona Jakob mit iPhone, Mai 2018 / (c) Jona Jakob, Aschaffenburg

Nun möchte alle meine Unterschrift für die DSGVO. Oder immer mehr journalistische Angebote (siehe oben) wollen von mir ein Kauf-Abo: Tagespass, Montasbeitrag, Jahresmitglied. Die Bild mit ihren Kauf-Beiträgen, ebenso die FAZ. Beim Tagesanzeiger kann ich gar nichts mehr lesen, ohne es zu kaufen.

Neu auch all die Angebote von Webinaren, Events, Tickets-Kaufen, Scannen, Bookings, Apps ... alles sollte irgendwie in Eigenregie verwaltet sein und werden. Zu viel - echt.

Und ehrlich gesagt, ich kann nicht mehr, weil mehr nicht geht. Ich kann weder unzählige Passwörter managen noch mich jedes Mal einloggen müssen, wenn ich wo was möchte. Ich tue es schlicht nicht mehr.

Ich lasse es dann halt und sorge mich nicht weiter. Habe ich den Beitrag halt nicht gelesen, kann ihn nicht faven, nicht weiterempfehlen. Ist dann halt nicht.

Denn ich, der ich nicht mehr bin, als eine gewisse Dimension an "hohle Gasse" durch die ihr alle erst einmal kommen müsst, ich spüre, dass "gut is'".

Und ihr, hab ihr es auch schon gelassen?

Ich brauche nächstens Büromaterial - ab in den Laden, bloss nicht im Internet bestellen und liefern lassen - macht mein Gehirn madig.  Älteste Internetweisheit:

> Draussen ist dort wo die Sonne scheint. :-)

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag.


Donnerstag, 12. April 2018

Ein Unmass an Müll.


Manchmal gibt es in ihm das Gefühl, ganz und gar verfahren zu sein. Fern ab und flüchtig von dem, was ein und sein Weg wäre. Und es sträubte sich mehr und mehr, dieser blinden Verkostung zu folgen, vom Konsum her bis zu dem, was an Gesabber Mediennachrichten für ihn an Gültigkeit abwarfen. Die Nachricht war schon korrekt. Aber für ihn, für ihn und sein Leben, war sie ohne grosse Bedeutung, auch wenn das kaum jemand so für sich gelten lassen mochte. Ihm war danach, das alles aufzugeben. Es war ihm ein Unmass an Müll.

Mittwoch, 11. April 2018

Gefühlskudddelmuddel

Heute bin ich eine seltene Kombination von Zugstrecke gefahren. Ich bin mittags in Leipzig in den ICE nach München, der also zum Ende meiner Etappe über Hanau und Offenbach zwei Mal den Main kreuzt, um dann in Frankfurt einzufahren.

Und weil mir ein paar angenehme Minuten blieben das Gleis zu wechseln, um mit einem nächsten ICE direkt weiter nach Zürich zu reisen, spüre ich, hier in Frankfurt zuhause zu sein, ob nun in Aschaffenburg, in Mörfelden, Offenbach oder Hanau - es ist meine Area, meine Home Base. Ich bin also etwas wehmütig weitergereist, als müsste ich Liebgewonnenes gleich wieder verlassen.

#Gefuehlskuddelmuddel

Mittwoch, 4. April 2018

Rechnung ohne Glückskeks

In einem der asiatischen Restaurants mit Buffet und all-you-can-eat setzen sich gegen 18:00 Uhr vier Teeniemädchen an einen Tisch und bestellen ein Mal Buffet und ein Getränk. Die anderen drei wollen nichts bestellen, auch kein Getränk. Sie essen und trinken dann zu viert von der einen Bestellung. Der Wirt fragt mehrmals nach, aber mit Mienen von Unschuldslämmern schütteln sie den Kopf. Als sie fertig sind sitzt eine jede rum und checkt bloss ihr Handy. Der Chef, der längst die drei ungenutzten Platzsets abgeräumt hat, bringt die Rechnung. Euro 18.90. Es gibt kein Trinkgeld.
Ich muss bei der Szenerie vermuten, die vier hätten bei einem Restaurantverweis darauf in einer Art Opferhaltung bestanden, rechtlich ein Sitzrecht und Recht auf ein Glas Wasser kostenfrei zu haben. Es roch förmlich nach dieser juvenilen Erprobung eigener Rechte und Freiheiten.


Anmerkung: Ich würde nur nie die Rechnung ohne den Wirt machen, ich meine, jedenfalls nicht bei einem Chinesen.


#Aschaffenburgbyday

Sonntag, 1. April 2018

Im Kaffee am Platz

Es steht ein älterer, nicht zu groß gewachsener Herr mit Schiebemütze an der Kaffeebar. Er ist dankbar für etwas Gespräch. Das äußert sich darin, dass er nicht aufhört mit Leuten zu reden um sich selber zu hören. Wir wissen nun alle rundum, was er alles ... aber niemand fühlte sich wirklich angesprochen. Das mag daran liegen, dass der Herr niemandem zugewandt sich kundtat. So war da ein Schwatz, ohne dass ein Kontakt entstanden wäre.

Jona Jakob

Samstag, 31. März 2018

Aschaffenburg by night

Fast jede Nacht verlässt ein junger Mann seine Liebste. Dabei startet er den V8 seines alten Camaros, der kurz aufröhrt. Dann führt er seinen blubbernden Wagen behutsam aus der Parklücke, bevor er mit einem stossartigen Grummeln unterm Schloss durch verschwindet. 

#Aschaffenburg by night.

Text von Jona Jakob, März 2018

Mittwoch, 7. Februar 2018

Wohin kann man noch emigrieren?

Als Mensch mit Haltung, oder auf der Suche nach einer solchen, hatte man vor dem Internet und den globalen Handynetzen noch freien Raum zu emigrieren. Man zog aus politischen, religiösen, gesellschaftlichen oder intellektuellen  Gründen aus der eigenen Heimat aus bzw. weg, weil man 'per eigener Anwesenheit' die Zustände nicht legitimieren mochte oder sogar gefährdet war, dort zu bleiben.

Zum Beispiel verließ Oriana Fallaci ihr geliebtes Italien und starb dann in der Emigration in New York - nicht inaktiv, Italien und seine Presse weiterhin massiv in die Kritik zu nehmen. Sie war mit Missständen und Entwicklungen nicht d'accord.

Ebenso gibt es ein mE lesenswertes Buch von Prof. Michael Walzer, mit dem Titel: Zweifel und Einmischung. Die Frage für den Kritiker: Soll man bleiben und sich einmischen, so wird man als Nestbeschmutzer beschimpft. Kritisiert man "von Aussen", sagen die Leute: Was weiss die/der schon, die/der lebt ja gar nicht hier.


Nun zur Frage:

Wo genau hin kann man heute noch emigrieren? Wohin geografisch? Wohin datentechnisch? Ist man wegen dem Senden und dem Empfang von Daten heute nicht dauernd "im selben Raum"?

Ist es nicht so, dass ich eigentlich nicht wirklich unter der Decke von Handy-Antennen und GPS-Ortungen, Sateliten und Kabeln "nicht mehr raus kann" ... und wie Zarathustra in die Höhle von Wäldern zu fliehen, ob in Kanada, Island, den Karpaten ... ist ja jetzt auch nicht die Idee.

Bin ich also sozusagen stets, jederzeit und allerorts "dabei?" ...

Beispiele für eine solche Betrachtung:

1: Erhalten Coachees den persönlich geschützten Rahmen und Raum, auch durch die Person des Coaches (Setting), wenn der Auftrag und die Bezahlung durchs Unternehmen und damit durch EntscheidungsträgerInnen erfolgt?

2: Bin ich in meinem vereinbarten Sabbatical wirklich "frei", mich für einmal mit etwas anderem zu beschäftigen? Kann ich frei wählen und entscheiden? Oder möchte der Arbeitgeber, die Uni oder die Behörde, dass es "dann schon etwas ist, was mit uns im Zusammenhang steht"?

3: Gewährt mir Raum wie z.B. eine grosse XING-Gruppe (> 1000 Mitglieder) die Freiheit, mich mitzuteilen? Wo viele Menschen notieren, sie wären auf den Austausch gespannt, aber sich dann doch zurückhalten, beizutragen? Führt die Gruppe sozusagen zu einer Art Selbstkontrolle und Anpassung? Vermögen wir nicht mehr zu trennen, zwischen Diskurs und Haltung? Zwischen Querdenken bei gleichbleibender Verlässlichkeit?

Herzlich grüsst und fragt

Jona Jakob

Sonntag, 7. Januar 2018

"Was treibst du?"

Über die Feiertage ergab es sich, dass mich ein gleichaltriger Buben-Freund über Facebook fand. Nach schier 40 Jahren Kontaktverlust. Und vermutlich hat er das mit seinem Vater besprochen, mit dem es in der Folge zu einem kleinen eMailverkehr kam. In seiner Mail fragt mich nun der Vater, es handelt sich um Urs Dickerhof, ehem. Rektor der Kunstgewerbeschule Biel (Schweiz) und Kunstmaler ...

"Was treibst du?"

Es fragt ein bald 80-Jähriger einen 55-Jährigen: "Was treibst du?"

Meine Antwort in der Mail:

Treiben? Für mich wäre treiben, wenn ich von allem ablassen, hier am Main auf einem rumänischen Lastkahn anheuern und damit nach Constanta am Schwarzen Meer shippern würde, empathisch reisend und ein Buch schreibend, wie Handke in seinem Vers ‚Eigenfarben – Über die Dörfer‘ 

Heute, ein paar Tage später, treibt mich die Frage weiter um: Was treibe ich?

Und dann beobachte ich mich selber, wie ich nach einem Jahr des Umzuges und der Neuorientierung von Aschaffenburg aus manchmal einfach rumstehe, wenn ich mit dem Hund rausgehe und der wo schnuppern möchte. Ich stehe und bin. Das habe ich bisher noch nie gemacht - rumstehen.

Eine andere Sache: Seit sehr langer Zeit, es sind Jahre, lese ich einen Roman. 'Das Leben des Vernon Subutex' von Virginie Despentes. Ich lese nicht um des Lesens Willen. Ich kenne die Verlorenheit des Vernon und ich mag die Sprache, mit der Despentes den Typen beschreibt. Ich lese aus diesen zwei Gründen 3-5 Seiten weiter - ich will aber nicht wissen, wie es weitergeht. Nur die paar Seiten Wörter und Bilder aufnehmen. Sonst nichts.

Gestern setzte ich mich vom Arbeitsstuhl auf das Sofa im Arbeitszimmer, der Hund setzte sich neben mich, leise lief im Hintergrund ein 'Deep House Mix' und meine Liebste setzte sich zu uns, lackierte sich ihre Nägel. Alles war einfach still in sich stehend. Es hätte jemand aufstehen können, nur um zu den Bässen des Chill-Mix mit der Hüfte zu wackel. Aber das auch nur ganz langsam, so in sich versunken.

"Was treibst du?"

Ich werde das glückliche Gefühl nicht los, mit "Treiben" eine der wenigen Formen von Sein zurückgefunden zu haben, in der es dem Optimierungs- und Leistungswahn, den existenziellen Pflichten und der Arbeit schlicht nicht möglich wird, diese Freiheit mit Hintergedanken und Absichten, Erwartungen oder sonst MindFuck zu vergiften bzw. zu trüben. In dieser Hinsicht, allgemein gesprochen, befürchte ich, sind wir schier alle massiv unterwandert, selbst wenn wir Yoga machen oder uns in Läufen per Tracker vertun. Bei all der Selbstdarstellung, wie sehr man gerade in der Natur sei und davon Bilder postet - ich kriege es kaum mehr hin, das als "Treiben" zu erfahren. Treiben, so meine aktuellen Gedanken, ist noch absichtsloser. In mir will nichts. Vielleicht eine Art 'Flow' - wie ich letzthin wo schrieb: "Flow ist tun können, ohne zu müssen."

Es kann ja einfach sein, dass nach den letzten Jahren der Neuaufstellung, der Repositionierung, der Ausbildung und des Umzuges ich keine Zeit mehr fand, die sich neu wieder ergibt. Aber ich habe auch jetzt grosse Ziele vor mir.

Es spielt aber nicht wirklich eine Rolle, warum ich neuerdings zu 'treiben' vermag. Ich bin innerlich auf einer Luftmatratze auf einem fliessenden Fluss im Sommer und treibe.  Bei offenen Fenstern nachmittags im Wohnwagen rumfletzen. Im warmen Kaffee sitzen und versuchen, die acht Zeilen Lyrik zu durchdringen. Etwas von Hand schreiben.  Mit dem Finger etwas auf den Rücken von jemand zeichnen und fragen, was war es? Bleistift und Block.

In einer TV-Doku wurde ein ehemaliger Turmspringer gezeigt, der aus einem Grund zerebral gelähmt war und sich nach langer Therapie halbwegs und unsicher wieder auf den Beinen halten konnte. Daher wollte er dringend nochmals vom Turm springen, was er aus drei Meter Höhe tat. Man half ihm und er sprang kopfüber. Als er am Beckenrand ankam und er strahlend in die Kamera lachte, sagte er: "Es ist nicht der Sprung oder dass ich es konnte. Was mich so glücklich macht ist das Gefühl, im Pool zu sein." Verdammt: Genau das ist der Unterschied! Nicht "Schwimmen gehen", nicht "Sport treiben", nicht "für die Gesundheit" - sondern einfach nur das Gefühl, im Wasserbecken umspült zu treiben. Er hat so recht, "im Pool sein".

Mich treiben lassen - ist das vielleicht, dem dänischen 'hygge' ähnlich, kein Sein, auch kein Lassen. Es könnte ein 'Bleiben-lassen' sein.

However - ich weiss es nicht. Was ich aber spüre: ich werde das mehr suchen und versuchen. Sollte ich daher mal nicht antworten, obwohl angesprochen, dann bin ich dort. Mich treiben lassend.

Was treibst du? Was treiben Sie?

Mit unbekümmerten Grüssen


Montag, 1. Januar 2018

... was vorbei ist, sind Männer.

Mit der Aktion von Hollywoodstars gegen sexuellen Missbrauch kommt eine Sache in Gang, die sich ihren Weg bahnen wird. Daher sage ich:

Es ist zu Beginn 2018 nicht so, 
dass Verbrennungsmotoren vorbei sind. Oder Autos. 

Was vorbei ist, sind Männer.

Jona Jakob, 1. Januar 2018

#TIMESUP



Die Disruption könnte daher nicht einzig eine digitale oder medizinisch-pharmazeutische sein, auch nicht alleine durch Roboter erfolgen oder per künstlicher Intelligenz erfolgen - ...

... nein, eine ganz andere Form der Disruption bricht darin durch, dass der männliche (Sexual)-Trieb gebrochen wird, per gesellschaftlich wirksamer Ächtung. Das verändert dann alles.

Das ist fortschrittlicher als jede neue Technologie - weil das älteste Muster der Menschheit ausgehebelt und gebrochen wird, etwas, was zeitlich so alt ist wie die Zellteilung. Fortschritt per Bruch von hergebrachten Selbstverständnis und weit zurückliegenden Mustern.

Und ob Sie nun ein Mann oder eine Frau sind: Versetzen Sie sich in die Vorstellung ... fühlen Sie nach, WIE REIZVOLL eine solche Umkehr oder Zerschlagung ist, per moralischer Ächtung eine reale Chance der Tilgung und Eindämmung zu erkennen. Das ist dann kein kleiner Scheiss ... vielmehr ist das höchst interessant, es anzupacken.

Jona Jakob. 

1. Januar 2018 #TIMESUP


Bestrebungen, weltweit

  • #metoo
  • #TIMESUP
  • Gleichstellungsbestrebungen
  • Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
  • Frauenquoten in Organisationen
  • Genderbestrebungen
  • Indien bemüht sich um gerechteren Umgang
  • In Afrika laufen Bemühungen wegen den Beschneidungen und Schulung
  • Toiletten für Transsexuellee
  • Sex-Gesetz in der Ehe in Schweden
  • USA und das "Yes" einholen (für Sex)
  • Recht, Männer anzuzeigen
  • Polizei lernt dazu, Frauen anzuhören und zu reagieren
  • Ämter- und Beratungsstellen werden institutionalisiert
  • Kinderehen werden verboten
  • Schweden: 5000 Juristinnen klagen Übergriffe an #metoo
  • tbc.

Dienstag, 19. Dezember 2017

Sich zu Weihnachten besinnen ... - keine leichte Aufgabe in 2017.

Dezember 2017


Liebe Leserinnen und Leser

Freunde und Bekannte

Einst war Weihnachten in meinem Leben, ich bin ein 62-er, die Zeit, als das Christkind kam, Jesus später, man war artig erzogen und huldigte auch gefühlt einer mir nie erkennbar gewordenen Autorität, die ich eher auf die damalig gesellschaftliche Stimmung in der Schweiz beziehe. Der Kommunismus war noch da, die Russen für viele Schweizer direkt vor der Tür.

Später, ich war jugendlich entwachsen, fuhr Auto, hatte eine erste Lehre in der Tasche, da waren Weihnachten eher ein Ding bei Muttern. Da wir meist Open-House feierten, in einer Mischung von warmem und kaltem Buffet an Leckereien und Traditionellen und eben einer laufend rotierenden Schar von Gästen, verlor die eigentliche Geschichte etwas von ihrer Erzählung. Niemand kümmerte einen Heiland. Aber liebevoll waren, wir, nett, adrett, zugewandt und disco-stylish. Wir metamorphten von Poppern zu Yuppies und blieben mit Falco einfach junge Römer, tanzten wir anders als die anderen.

Jahre später, ich war verheiratet, es waren also zwei Familien zu pflegen, wurden Weihnachten irgendwie affig und zwangsartig. Das klärte sich im zehnten Jahr Ehe, als ich zum 24.12. für mich nach Spanien fuhr und Susi heimlich Housi (Hans) zu ihren Eltern einlud, Weihnachten zu feiern. Der Pragmatismus des Schwiegerelternhauses schoss förmlich auf Jesus, "schiss" könnte man auch schreiben. Hauptsache ich war weg, egal wie.

Dann kamen andere zehn Jahre. Das Menschsein gewann wieder an Boden, das Internet machte das Miteinander modern und so feierte ich doch immer wieder redlich, meist mit einer Liebsten, lieben Leuten und Gästen und war Gast. Das Leben hatte mich ein zweites Mal in sich geworfen, ich hatte mich entschieden, leben zu wollen und wenn Ja, dann auch in guter Art und Weise. Das ist dann bis heute fein gewachsen.

Mir - der ich gänzlich ohne Kirche erzogen wurde - mir war das mit Weihnachten nie ganz egal. Es gab stets dieses Gefühl, vor irgendwas dann doch noch einen letzten Rest Respekt und Achtung zu haben, alleine, in dem man es nicht in Frage stellt, sondern lässt, als Teil meiner Menschheit und Zeit meines Menschseins. Mir ist Weihnachten durchaus bewusst. Denn gerade das Denkende an meinem Geist und meiner Seele sieht keinen Weg, die Glaubensgeschichte, unsere zu Jesus und Gott, irgendwie wegzureden. Unsere christliche nicht, noch die der Muslimen, der Orthodoxen, der Griechen, Juden noch sonst wem. Glauben, wenn für mich auch nicht fassbar, gehört den Menschen, die diesem erwachsen sind. Wer bin ich, das in Frage zu stellen? Und wozu sollte ich?

Per aspera ad astra - Über steinige Weg zu den Sternen. - Unser Zuhause, unser Miteinander // Bild (c) Jona Jakob, privat.

Dieses Jahr, 2017, wird es schwierig. Zu viele nationalistische, rechtsorientierte, autoritäre, ehre-orientierte und machtgeile Entwicklungen sprechen in ausgerufenen Parolen alles aus, was gegen das Bildnis der Weihnacht spricht. Es herrscht die blanke Aberkennung. Weder versöhnen sich Länder oder die Politik, noch hält sich der Neoliberalismus zurück. Und für mich sind es nicht die einzelnen Figuren, die täglich namhaft in den Nachrichten genannt werden. Es ist für mich die Menschheit an sich, die Masse, die Wählerschaft, global. Sie sucht überall ihren Führer und lässt sich am anderen Schwanzende vom Amazon genüsslich aufzehren - die Matrix life.

Die Menschen sind stolz auf ihre neuen Uniformen, die sie als Soldaten lenkt, sei es für Kriege und die Zerstörung "anderer" Menschen - als gäbe es das, 'andere Menschen', denn es sind immer Menschen. 


Oder die andere Uniform, die des angepassten Konformisten, die sie zu Konsumenten eines sisyphos-artigen Konsums macht, dem Glaube verfallen, damit irgendwie "optimaler" zu werden. 


Es ist dann nur ein Lachhaftes, mit welchen formlos weichen Eiern und mit welch perversem Pragmatismus Produzenten aus Schoko-Weihnachtsmännern gendergemässe Jahresendfiguren machen und wir die eigenen Lieder nicht mehr singen, weil ja darin das Leben mit seiner Ganzheit, auch der unbequemen, erkennbar werden könnte. Wir sind nicht moralisch "auf dem richtigen Weg der Entwicklung" - nein, wir sind mE ferner den je, emanzipiert uns selber zu werden, als Frau, als Mann, als Kind und Mensch, auch Tier und pflanzlichem Wesen. Wir fressen uns selber auf und sitzen dabei schweigend in einer täglichen Unzahl von Fallen. Wir tun wirklich alles, aber schenken tun wir uns damit vermutlich nichts - eher im Gegenteil.

Es mag eine volkswirtschaftliche Pflicht sein, zu sehen, dass es mir in meiner Selbstverantwortung gut geht. Das bedeutet aber nicht, dass es neben dieser Haltung kein weiteres hergebrachtes Verstehen davon gibt, dass man das auch anders auslegen und leben könnte. Das Deontologische, die Pflichteinhaltung bis hin zum eigenen Nachteil, ist eine solche Haltung. Dort verzichtet man auf seinen Vorteil, dort nimmt man das Negative in Kauf. Dort hält man den Schmerz aus und trägt die Last, die mit etwas verbunden ist. Von welcher Idiotie ist der Gedanke, entweder Gott ODER Allah?

Deon verplichtet den Gottgläubigen zu denken, dass es auch einen Allah gibt für alle Allah-Gläubigen. Und auch einen Messias für Messias-Gläubige. Wir hätten an die Gemeinschaft genau "so" zu glauben und für sie einzustehen, wie für uns selbst. Heute aber, 2017, schauen wir nur für uns selbst, als gälte es, das eigene Schiff auf dem wir schwimme zu versenken.

Bloss weil wir nicht in der Lage sein mögen, und ich behaupte mal, das wäre halt anstrengender, was meint: nachteilig, lassen wir uns unseres entwickelten Profils entmächtigen, werden formlos und unerkennbar, breiig und etwas, was man mit einer Hundetüte nicht aufnehmen kann.

Nur um es einfacher und bequemer zu haben!

Das war aber nie die Idee der Weihnachtsgeschichte. 


Im Gegenteil, es wurde ein leidensreicher Weg eines Menschen, der jung zu Tode gebracht und seinem Leben damit entrissen wurde. Das beschäftigt mich, den Ungläubigen, heute und jetzt, da ich schreibe.

Ich brauche nicht an Gott und 2000 Jahre Christentum zu glauben oder dieser Religion zu folgen. Ich brauche bloss mehr Mensch werden zu wollen, als es die Gemütlichkeit und Formlosigkeit von mir verlangen.

Ich brauche nur in den Vorschuss, das Wagnis, den Mut und ins Risiko eines noch so gewagten Miteinanders gehen mögen, wo ich spüre, in meiner ganzen Schönheit zu strahlen, egal wie fremd ich für andere bin, und ich werde christlich genug, nicht mehr glauben und hoffen zu müssen recht zu sein, sondern mich emanzipiert zu haben als das, was Gott schaffen wollte: 


Mich, als Mensch!  


Das ist mein Angebot und meine Hand, meine Gesicht und mein Herz zum Miteinander. Hier muss ich mich längst nicht mehr entscheiden.

Ich glaube, 2017 ist ein Jahr, von dem wir 2020 sagen werden: Dort hätten wir die Weichen umstellen müssen - jetzt ist es zu spät. Und selbst wenn sich das Politische wieder beruhigen sollte oder tragbar bleibt, das Amazon(e) wird uns weitaus mehr "drogensüchtig abhängig" machen, mit jeder Alexa ein Stück mehr. Sie meinen, ich übertreibe? Ich habe durchaus nichts, gegen all diese "Mittel", insofern sie Mittel bleiben würden. Doch das tun sie längst nicht mehr. Wir, die Konsumenten, sind deren Mittel und bedienen diese neuen Führer mit Informationen, Verhalten, Kaufmustern und Krankheitsdaten. Wir werden gerade DEREN MITTEL.

Sonst schreiben Sie mir, wo genau Sie noch freien und unabhängigen Denkraum erkennen können, ob im Alltag, geografisch oder von einer philosophischen Warte aus. Sagen Sie mir: WO genau?

Ich streite mich nicht mit Ihnen, ich möchte Sie motivieren, die Frage aufzunehmen und jenen Raum uns finden lassen, in dem wir noch wir sind und bleiben können, bevor wir uns irgendwie als Nichtse dissen lassen müssen.


Besinnliche Weihnachten - tut mir leid, wenn es in diesen Zeiten nicht so leicht ist, fröhlich zu tun.


Ihr Jona Jakob


Ich danke für all die Liebe, die mir meine Partnerin Elke und unser Hündin Phibi schenkt. Ich danke für alle Bezüge, Beziehungen, Grüsse, Lacher, Aufträge, Anvertrauen, Streite, Rangeleien, Dispute und Debatten. Ich danke denen ebenso, die es mir schwerer machen, wie denen, mit denen es ring geht. Das Unliebsame ist kein geringeres Lebensgefühl, wie das, was einer "unexpected grace" nannte. Ich danke dem Universum für das neue Café am Agathaplatz. Und ich grüsse, meine Augen kurz schliessend, meinen Freund Stephan, der im Sommer verstarb.


Sie sollen sich zu Weihnachten besinnen. Zwischen den Jahren lassen Sie das sacken. Weil, zum Neuen Jahr gilt es, sich zu verfassen, auf ein nächstes Jahr in Haltung und Festigkeit, Mut und Freude, so dass man selber deutlich ist und uns andere daher folgen mögen. Deon - zuerst die unangenehme Pflicht. Da bin ich alter Schule. Oder mein Vater. Oder Coach.

Ihnen und Ihren Angehörigen alles Gute und Stärkende.


Donnerstag, 23. November 2017

Wie Hübchen ein Hübschchen wurde

Mein Vater notierte mir einst dieses Zitat aus dem Buch 'Lord Jim' von Joseph Conrad. Übrigens, wenn auch englisch geadelt, ein Pole.

Der Raum im EG steht ungenutzt voll mit Schrott und Schutt. (Bild (c) Jona Jakob, privat)

Der Schutt wird entsorgt, Brauchbares verschenkt, Wichtiges erhalten. (Bild (c) Jona Jakob, privat)

Hübchen ist verputzt und verspachtelt. Auch sind die Leuchtröhren ersetzt und die Lichtkästen gereinigt. Nun werden die Wände geschliffen, grundiert und der Mittelstrang der Decke eingesetzt. Ist die Grundierung trocken, kann gestrichen und die Decke fertig gemacht werden . Dann habe ich eine Vorstellung für den Boden.

Auch aussen ist erst einmal Ordnung herzustellen. (c) Jona Jakob, privat

Bild (c) Jona Jakob, privat

Sanieren - keine Situation für meinen Ordnungssinn. 

Alle Bilder (c) by Jona Jakob, privat

Eine Schwierigkeit bei solchen Projekten ist, dass wenn sie "out-of-the-box" erdacht sind, wenn sie diesen Anteil des gelebten Traumes ausdrücken sollen, dies schwer vermittelbar ist. Vielleicht das Dilemma vieler Kunstschaffenden: man wirkt - als Conductor - außerhalb des Gewohnten, der Norm, und hat dann erst einmal Probleme, "Follower" sehend, hörend, fühlend und verstehend (auch handwerklich erstellend) zu finden, welche bis an dieses Neue und außerhalb des Rahmen Liegenden heran- und mitgehen. Und dann muss es noch Zustimmung und Zusage finden. Hierin liegt die Kunst: Das Bisherige zu verlassen - und dabei Verlässlichkeit erzeugen.



Kurz vor dem ersten Etappenziel. Ich freue mich. (Bilder (c) alle bei Jona Jakob, privat)
Ein erheblich wichtiger Teil jener, die gestaltend und im Raum der Kunst schaffen, auch in den Bereichen ihrer ausser'ordentlichen Fähigkeiten und Gaben, ist der, dass gelungene Projekte und Bleibendes einem selber zeigen und vermitteln vermögen, dass man es schaffen kann und Erhebliches einem möglich ist. (FB: Alexandra Jungblut, Annette Maria Böhm, u.v.a.m.)





Alle Bilder (c) bei Jona Jakob, privat. 

Einer meiner wichtigsten Digital- und Internetkontakte, Gunnar Sohn (FB, XING), notierte diese Woche einen Begriff: "Digital Hub" (Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/Digitale_Infrastruktur). Hier entsteht kein Seminarraum, keine Coaching-Praxis, kein Schulzimmer - hier entsteht "a hosting Hub" - daher 'Hübchen'. Die Frage ist nicht, was "hier drin" geschieht, die Frage ist viel mehr, "was von hier aus raus geht".

Willkommen - Womit gehst Du?

P.S. Ich danke herzlich für all eure Zeichen, Likes, Gedanken zum Projekt. Die erfreuen mich und schenken mir gute Gefühle als WegbegleiterInnen.

Ich danke ganz speziell meiner Liebsten und ihren Teams von www.elkemerkel.de, ohne die es nicht wirklich zu machen gewesen wäre. Auch die Vermietenden tragen viel mit gutem Willen bei.

www.humanness.de - Erthalstrasse 1A, 63739 Aschaffenburg

Dienstag, 5. September 2017

Zum Tod von Stephan Dreisbusch, Aschaffenburg (r.i.p. 26.08.2017)


Für mich ist es weder leicht noch selbstverständlich, dass ich einen Freund finde. So einen richtigen Freund. Einen, wo ich abends noch hinlunger und der dann draußen sitzt, ein Bier anbietend. Ich fand, es ist kein halbes Jahr her, in vier Jahren den dritten, hier in Aschaffenburg. 

Der erste starb nach sechs Monaten an einem Hirnschlag. Der zweite verabschiedete sich nach einem halben Jahr Gespräche in eine tiefe Erschöpfungsdepression, ist weiter nicht erholt.

Nun Nummer drei. Gleich gegenüber in dem beleuchteten Geschäft und Haus. Stephan konnte mich vom ersten Gespräch an ergänzen. Er weckte in mir die alte Lust auf Kunst und Können. Er war massiv hochsensibel und es gab für uns keinen Bedarf, uns uns selber zu erklären. Wir waren einfach beieinander, konnten die Welt in Traurigkeit von Clowns ermessen, verstanden Abgründe des Flachen und lungerten damit schallend lachend rum. Witzereisser, wir beide. Hüftschützen und ungnädig darin, Ansprüche zu definieren, bloß um feixend gemein zu sein.

Er, der Kunstbewanderte und Kenner, Gönner und Aktivist. Er war so einer, der montagsmorgen bei sich auf dem Teppich seines schwer erklärbaren Ladens sass, die weißen Stoffhandschuhe an, mit denen er behutsam eine überdimensionierte Mappe mit Zeichenblätter im Grossformat von Christian Schad erlas. Ihm kam, wenn überhaupt, nichts 'Unreines' ins Haus. Das Hinterletzte noch hatte Anspruch und Qualität. 

Da rief er vor wenig Zeit mich an, bat, ich möchte rüberkommen. Ich hatte keine Ahnung, was er da wollte. Und trete ich bei ihm ein, sitzt er da vor einer gemalten Arbeit und fragt mich, was ich davon halte. - Er, er fragt mich, was ich davon halte. Es gibt schlechtere Komplimente und Zeichen von Vertrauen.

Heute wird mir auf der Strasse mitgeteilt, dass Stephan D. bei einer Radtour vor einer Woche einen Herzinfarkt hatte und er am Dienstag beerdigt würde.

In mir bricht gerade mein Balkon ab. Jener Balkon seinem Laden gegenüber, über dessen Gasse wir so oft ein herzliches Wort wechselten, im Zuruf und nonverbalen Verstehen von Gesten und Gesichtern.

Scheisse.

Bild (c) bei Jona Jakob, privat.

Bild: Eine Arbeit seiner Frau Susanne. Vase aus Glas, faustdick, wie beim Menschen ein Herz, unendlich bunt, unendlich vernarbt . Ich hatte sie im Frühjahr für Elke erstanden. Jetzt liegt mir das Ding mit seinem Gewicht schwer in der Hand, als hielte ich seines.

Stephan, meine liebe Seele, Unruh, Zeitwerk, Geist - lieber Freund, vielleicht lässt sich dein Fordern als ein 'Stückweit' erhalten. Die Strasse wird noch lange Dich bleiben. Unser Balkon sowieso. 

Jona


Samstag, 29. Juli 2017

Aschaffenburg - Im Ort

Es gibt aus den letzten Wochen zwei wunderbare Geschehnisse, die ich 'so' seit Jahren und vielleicht seit meiner Jugend in Bern nicht mehr erlebte. 

Durch den Umzug ins Herz von Aschaffenburg leben wir statt in der Struktur vormaliger Vororte im Zentrum einer kleinen, attraktiven Stadt. Wichtig: es ist für uns alles FUSSLÄUFIG. Hundespaziergang, zum Main, zum Schloss, zum Markt, zu den täglichen Geschäften, zur Eisdiele, zum Bahnhof, zur Massage, zum Zahnarzt ... stets zu Fuss, die paar Meter.

Ausgangspunkt Agatha-Platz, Aschaffenburg / Bild (c) bei Jona Jakob, privat.

Was war passiert?
Das erste Geschehniss, welches ich so mochte war, dass meine Liebste und ich mit Phibi draussen bei einem italienischen Lokal, dem Pomodorino, am Bahnhof Abendessen bestellten. Als wir die feinen Gerichte assen, kam Stephan "des Weges". Herzliches Begrüssen, Stephan ist der erste Nachbar, den wir hier kennen lernten und mit dem ich unterdessen befreundet bin - uns trägt die Kunst und das Feine. Nach wenigen Worten setzte er sich zu uns an den Tisch und bestellte ebenso. Es vergingen beim fröhlichen Gespräch wenige Minuten, als Stephan eine Frau begrüsste, die ich vom Zebrastreifen vorm Haus her vage erfasst hatte. Uns entstand an der Strasse ein freundliches Nicken. Jetzt stellte uns Stephan Hildruth als seine Nachbarin vor, die im obersten Stock seines Hauses wohnt. Es ist die einzige weitere Wohnung, die wie wir einen Balkon hat. Ihre Wohnung liegt uns gegenüber. Hildruth setzte sich ebenso zu uns. Und so hatten sich zwei spontan zu uns an den Tisch gesetzt. Wer im Weiteren noch alles begrüsst wurde, .. es war eine Zahl von Bekannten, Freunden, Unbekannten, etc. Zuhause sagte ich zu Elke: "Wann haben wir das zum letzten Mal erlebt?" - wir genossen es spürbar.


Und noch?
Gestern früh schrieb mich in XING eine Frau an, mit der ich seit vielen Jahren verknüpft bin. Sie schrieb: "Ich habe festgestellt, dass du in Aschaffenburg wohnst - wollen wir uns einmal treffen?" - Ich hatte sie vor Jahren zuletzt bei einem GFK-Seminar in Frankfurt getroffen. Das war also am Morgen. Bei der letzten Hunderunde mit Phibi, am selben Tag gegen 21.30 Uhr, schlendere ich mit der Kleinen im Dunkel der Bäume, über eine Grünfläche, die in der Mitte einer grossen vierspurigen Strasse angelegt ist. Ich bin also mit dem Hund, da ruft von der Strasse her eine klare, helle Frauenstimme: "Hallo? Jona? Bist du es?" Ich drehe mich um und schaue ins Gesicht einer Frau in einem kleinen Renault Twingo. Es ist Annette, jener XING-Kontakt, der morgens geschrieben hatte. "Ich wohne auch hier in Aschaffenburg - und ja, ich habe zwei Hunde" - einer guckt vom Rücksicht durch die Scheibe. Ich kann gerade noch zurufen: "Ich melde mich bei dir", da musste sie losfahren. - Wann zum Kuckuck hat mich jemand zuletzt auf der Strasse gerufen? :-)


Diese beiden Geschehnisse, so klein und selbstverständlich sie sein mögen, ich hatte sie viele, viele Jahren nicht mehr erLEBT. Nicht, dass wir nicht Kontakt hatten, doch der musste verabredet werden. Diese "Treffen" hier entstanden ortsbedingt und weil ich zu Fuss unterwegs war. Es war real, statt online. Es war wie damals in der Jugend, als ich mit 'tous Bern' in den Gassen und Clubs verbunden war. Das tat gut, das schüttete Glücksgefühle aus, flourishing pur. Das verbindet, trägt Nähe in sich. Kontakt.


So freue ich mich auf nächste Begegnungen, vielleicht mit Pierre, Guido, Bernhard, Adrian, Claudia. Claudia hat ja schon zum Gläschen eingeladen, vormittags in der Boutique. Der Ort - er belebt mich. Und das ist gegenüber all meinen Altersbedenken richtig erquickend.

Jona Jakob, Aschaffenburg, Juli 2017


Mittwoch, 8. März 2017

Zum Tag der Frau - Elke macht den Stern

Es ist Mittwoch - Internationaler Tag der Frau - ich schreibe in XING einen Beitrag. Selber lümmel ich noch in Zuhausekleidung rum, es ist 07:15 Uhr morgens, wo hingegen Elke schon in den Kleidern steckt und zur Arbeit möchte. Worauf wir beide warten ist ein Mann der Küchenbauer von letzter Woche, weil Elke gemeldet hat, die Mischbatterie für Warm-Kalt-Wasser sei eventuell defekt, sie tropfe. Elke saniert Wasserschäden.

Ich bin gerade dabei, Elke meinen XING-Beitrag zu zeigen, ob ich auch keinen Quatsch geschrieben hätte, da klingelt der Mann von den Küchenbauer pünktlich. Mein Beitrag sei ok. Dann verschwindet sie mit dem Mann in der Küche, es dauert so zehn Minuten, der Mann zieht ab und Elke kommt wieder in mein Arbeitszimmer. Sie so: "Es war vorne die Dichtung, die sich untergeschoben hatte. Darauf wäre ich nicht gekommen. Ich hatte eher gedacht, es läge hinten, dort wo der Schlauch auf die Batterie gepresst wird etwas undicht - aber jetzt sei gut."

Während mir Elke in einer unbeschreiblichen Form tiefster Selbstverständlichkeit technische Aspekte einer Warm-Kalt-Wasser-Mischbatterie erklärt, immigriert mein Gehirn mit dem Gedanken, dass es wohl in ganz Rhein-Main keine zweite Frau gäbe, die mit solcher Klarheit spricht und davon ausgeht, dass ich von Dingen Ahnung hätte, von der weder sonst eine Frau noch vielleicht die wenigsten Männer eine haben.

Ich: "Schatz", ich strahle sie dabei an und gestikuliere mit Armen und Händen, "weisst du, wenn der Tag der Frau ein Halbmond ist", ich zeichne einen Halbmond in die Luft, "dann macht das, was du mit deinem Wesen in die Welt bringst, denn ich kenne niemanden, der mir morgens früh zu Teilen einer Mischbatterie etwas erzählen könnte", ich gestikuliere einen rechten Aussenpunkt, "... dann macht das, was Du mit deinem Wesen in die Welt bringst, dass daraus ein Stern wird!"

Es plitschte nun woanders. :-)

Skizze: Jona Jakob / Bild: Jona Jakob

Donnerstag, 23. Februar 2017

Würde - nicht Ehre als gesellschaftlicher Nenner des Demokratischen und Europäischen


Wenn einem all der Wandel, der uns geopolitisch unter die Decke kriecht nicht geheuer ist, weil nicht gleich nachvollziehbar was uns da widerfährt und ob man davon überhaupt betroffen ist - dann hilft vielleicht eine kleine gedankliche Stütze:

Was auf uns zukommt, was bereits um uns herum kreucht und uns täglich betroffen macht, durchdringt und uns versucht einzunehmen, durch Putin, Erdogan, IS, ja sogar Trump, den ganzen Türkischen Faschismus, den Polnischen Faschismus, den Populismus und Nationalismus, etc...


... das sind Forderungen unter dem Begriff EHRE:


Ehre ist eine Konzeption des "verdienten Achtungsanspruchs" - und hierfür wurden in der Menschheitsgeschichte schon Abermillionen von Menschen getötet, geschlachtet und hingerichtet. Diese Menschen wurden mitten in ihrem Leben ihres Lebens beraubt. Für irgendeinen einzigen Vogel, einen Tyrannen. Wir sind über Gas, Macheten, Kalaschnikows und Massenvergewaltigungen schockiert, über Zwang und Denunziation. Doch was das Grauen im Grauen ist, ist der Raub von möglichen weiteren 15, 28, 46, 70 Jahren Leben, die ein getöteter oder weggesperrter Mensch noch hätte leben können. Friedlich und prosperitiv leben.

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Diese Gewalt macht uns irgendwie ohnmächtig, sie lähmt uns, wir schauen fassungslos zu - weil wir allenfalls nicht wissen, welche Konzeption wir vertreten und wir 'fordern', was wir auf unsere Fahnen geschrieben haben, in unsere Verfassungen und gesät im Boden unserer Demokratien. Unser Gegenstück, schier "Antipode" ...

... sind Verständnis, Forderung und Haltung unter dem Begriff WÜRDE:


Speziell mit dem Wort Menschenwürde verbinden wir, niemanden zu Tode zu schlagen. Vielmehr vertreten wir eine Welt und ein Miteinander, welches jedem Menschen sein Leben per Leben ermöglicht, bis hin zur Abwendung von der Todesstrafe. Heute weitet sich dieses Verständnis auf alle Wesen aus - der Veganismus ist die aktuelle Erscheinung ... und eigentlich ist die Frage nach dem Fällen von Pflanzen irgendwie nicht zu verdrängen. Jedenfalls hat Würde zum Ziel, zu erhalten. Das ist das Gegenteil von Vernichten. Wir glauben nicht an einen Einzigen, dem alles zu unterordnen ist. Wir glauben an Alle und das grosse Ganze. Wir glauben und vertreten das Miteinander.

Europa ist nicht die EU. Europa ist mein Portugalstrand, meine Spanientappas, mein Frankreichkäse, mein Schweizerfondue, mein Deutschspätzle, mein Dänischdinkel, meine Hollandtulpen, meine Italienferien, meine Griechenlandtänze, meine Freunde hier und dort, meine Hotels, Gegenden, Gerüche, Sprachen, Orte, Meere, Strände, Häuser, Berge, Ebenen, Menschen, Menschen, Menschen ... meine Kirchen, Schlösser, Brücken, Dämme, Städte, Museen, Bibliotheken, meine Künstler, Politiker, Institutionen und offenen Grenzen und vieles meiner ganz persönlichen Freiheit meine Lebens. Europa ist kein Konstrukt - es ist meine Haltung im Leben von Würde, Freiheit und Anerkennung.
Bild: Wikipedia - freie Verwendung


Ich kann nicht garantieren, dass Ihnen nicht eines Tages der Schädel eingeschlagen wird, aber was jedem von uns möglich ist, ist sich innerlich zu stärken, in Gedanken, in der Haltung, in der Kommunikation, auch im STOPP oder NEIN gegen Entwicklungen. Wir können argumentativ stärker werden, konsistenter, wacher, schlagfertiger. Wir können in der Community Dinge verhindern und anderen die Waffen aus der Hand nehmen. Wir können Schreie nach Liebe hören und Empathie vorschiessen. Wir können etwas tun. Wir sind nicht wehrlos.

In dieser Hinsicht beeindruckt mich immer wieder dieses Bild des genagelten Jesus, den wir noch nach 2000 Jahren beeindruckt zu dieser Zeit würdigen, weil er im Angesicht seiner tödlichen Repressalien verzieh - würdig verzieh. Er und seine Haltung sind seither ungeschlagen. Und ich bin ja kein Religiöser - aber philosophisch genug, in der Sache den Geist zu erkennen, bin ich schon. Das geht durchaus.

Würde - nicht Ehre!

Herzlich

Jona Jakob


Sonntag, 27. November 2016

Lager-Chöre: ... nicht 'welchem', sondern 'dass man überhaupt' beitritt

Ich weiss nicht, wann es angefangen hat oder mit wem. In der Offenheit der Demokratie nahm sich wer das Recht, sich für richtiger, idealer, besser oder stärker zu erklären. Womit allen anderen gesagt war: ... ihr Loser.

Darauf hatten Heere von Müden oder Schwachen nur gewartet. Es ist so einfach und komfortabel, sich einer Gemeinschaft von Lautstarken anzuschliessen um kraftvoll zu wirken, jenes Kraftvoll, zu welchem man alleine nicht in der Lage scheint.

Ich will hier nicht sagen, allein verbleiben sei ein Zuckerschlecken. Oft ist es anstrengend und auf jeden Fall ist es mit viel Arbeit zeitlebens verbunden. Ich kann also nicht sagen, ob es zu ungemütlich wurde, zu viele andere Bürden einem erdrückten, Anforderungen von hier und dort und kaum ein Gewinn als Ausgleich - jedenfalls wurden Blasen Dammbrüchen gleich angestochen, als sich einer stark machte und Grenzen proklamierte.

Es spielt gar keine so grosse Rolle, ob ich die AfD als solche Kraft nenne, PEGIDA, Orban in Ungarn, die Polen, Trump ... egal, wirklich egal. Es sind für sich alles 'Lager' einer Meinung, Haltung, Überzeugung. Es sind Chöre.

Endlich eine klare Dualität von Gut und Schlecht, Richtig und Falsch, ... und damit von 'Ich-zähle-dazu' zu dieser vermeintlichen Richtigkeit und dem Gut-sein. Ich bin für Hoeness und Rumenigge, da ich für Bayern bin. Ich bin für Rosberg, da ich Deutscher bin. Ich bin für Petry oder die AfD, da alles andere falsch ist.

Fahnen, Farben, Wimpel, Grossanlässe - sie alle tragen neu dazu bei, einem das Gefühl zu vermitteln, wo dabei zu sein.

"Dass-man-überhaupt-wo-beitritt" ist das Abgeben der eigenen Seele an den Teufel - es spielt wirklich keine Rolle, an welchen Lager-Chor Sie Ihre Stimme und Ihr Dasein abgeben. 

Einmal abgegeben ist man ja auch gleich zu Gehorsam verpflichtet. Und da man mit etwas zu wenig Entwicklung sein SOLL weiter in Formen der Pflichterfüllung anerzogen bekommen hat, leistet man gerne übers Mass hinaus. So schreibt man dann im Werteraster von 'Kackdreist' an KIK, dass man das schwarze Modell zu Kotzen findet. Man möchte sich hervortun. Man versteht sich ja in einem Lager der Lautstarken. Endlich scheint eine neue Freiheit da, die einem los lässt.

Das Vorschnelle, das Ungute, das Verlustige aber an der Sache ist, dass man sich überhaupt wo hinzu erklärt .. WEM FOLGT. Wem zu folgen ist dann gleich eine Unterstellung, eine 'Soumission', wie es Houellebeqc nennt, eine Subordination. Aber was habe ich gewonnen, wenn ich mich unterstelle?

Und was habe ich damit auch gleich abgegeben, wenn ich mich wo eintragen lasse, als Zu'Gehörig'e/r?

Als Georg W. Bush die 'Achse des Bösen' erklärte, klärte er gleichzu, wer denn zu den 'Guten' gehören würde. Wenn Bayern zu den Guten gehört, ist es klar, dass man Leipzig "hassen muss".

Und so geht folgendes verloren:

Wäre früher Bayern, der BvB, Lepzig und alle Manschaften als Mitspieler, als Mitbewerber verstanden geblieben, so könnten alle noch gegeneinander spielen. Aber da nun nur noch die 'Richtigen' zählen und nur die 'Guten' - selbst proklamiert - sind die anderen zu hassen, zu killen, zu vernichten und zu beschädigen. Zu verunglimpfen, was geht.

So muss Merkel weg, die Globalisierung weg, Fremde weg, alles muss weg. Und wie schon geschrieben, unter dem Schutz der selbsterklärten 'Rechtheit' ist der Wert 'Kackdreist' eine Vorzeigewert, eine Hommage an die Gemeinschaft. Doch dieses Erscheinen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass 'Kackdreistigkeit' nicht mehr wird bzw. bleib als 'Kackdreistigkeit' - egal mit welchen Vorzügen im Moment.

So verstehe das bitte niemand als Fortschritt oder Aufstieg? Nein, beileibe nicht. Das ist und bleibt ein Abstieg, ein verlorenes Spiel ohne Punkte.

Dass ist der Verlust und Verrat am Menschsein, ein letztes Aufflackern vor dem Erlöschen, sich für ein Lager zu entscheiden, weil man selber nicht in der Lage ist, das Offene auszuhalten. Es ist ein Zeugnis miesester Selbstverfassung, Zustand unfähigen Ichs. Und ich würde dem nicht einmal sagen 'zu dumm' - nö, nur zu faul und Schisserig allemal,

Alle zu Tode Geschlagenen, alle Verbrannte und Verbannte - sie werden euch kein Zeugnis als Sieger ausstellen. Nie und in keiner Weise. Siegen wird weiter eine Freiheit und deren Geist, die einem Ablassen von einem Beitritt zu Irgendwem. Siegen wird jene Kräftigkeit der Stark-Genugen

Es ist eine harte Aufgabe, unabhängig und frei zu bleiben. Es auszuhalten, mitzutragen, zu bedenken. Wenn Sie sich heute noch entscheiden, darin aufzugeben, ... Aufgeben ist schon immer ein Verlieren gewesen. Und 'kackdreist' ist es dann, sich dafür 'siegend' zu erklären.

Manchmal ist es härter, wovon die Finger zu lassen.

Jona Jakob

Samstag, 19. November 2016

Mir geht viel Blattwerk schlicht zu weit ...

Ich wohnte an bald mehr als 45 Adressen. Untermiete, Souterrain, mit Gartensitzplatz, mit Terrasse, in den Stockwerken, in einem Haus mit grossem Garten, in Wohnwagen und Zelten, bei Freunden, in Baumhütten und unterm freien Himmel.

Aktuell suchen meine Liebste und ich ein neues Zuhause, etwas grösser, etwas etablierter. Wir hatten tolle erste fünf Jahre und freuen uns auf die nächste Zeit. Wir sind beide 50+, unsere Hündin Phibi kommt noch dazu.

Wir haben also schon einige Projekte gesucht, besucht und angeschaut. In selber Zeit leben wir ja noch in dem Wohnblock in Neu-Isenburg. Und da stösst mir hoch, da mich das Thema schon immer umtrieb ...

... mir rücken überbordende Gärten, Büsche, Bäume und Zweige zu Leibe. Ich kann damit nicht.

Weite ist so eine Qualität ... / Bild (c) Jona Jakob, privat
Ich kann es nicht haben, wenn Büsche in den gepflasterten Weg reinwachsen, über den ich ums Haus herum muss. Ich trage Mantel, Taschen, noch ne Tasche, Gepäck, habe den Hund an der Leine, die Hände voll ... und dann ragt Astwerk und Blattzeug mir in den Weg, ob auf Fusshöhe, an der Taille oder übelst auf Gesichthöhe. Ich mag von dem Zeug weder nass werden, noch mich dem langstreifen.

Wenn Büsche, besonders dieser fette Lorbeer, jedes Jahr 30 - 40 cm in die Potenz schiessen, dreidimensional an Volumen zunehmen, schnürt mir das Leben ab. Ich möchte etwas sehen, ich möchte mich nicht hinter einem Busch erschrecken, ich möchte weit schauen können, freie Sicht als Wohltat für meine Augen und mein Gesamtgefühl.

Was gehen mir bei Kauf- oder Mietobjekten Bäume auf den Nerv, die jede Dimension überschritten haben, die den Rasen darunter ersticken, Moos wachsen lassen, Dinge eingrünen und im Herbst alles völlern, bis das Wasser hoch steht. Schatten, keine Sonne, Licht fehlt, welches mich stärken sollte. Am liebsten stehen solche Ungetüme in des Nachbarn Garten, wo ich eh nichts mehr ausrichten kann. Zudem sind die meisten Bäume nicht einfach so umzulegen, aus juristischen Gründen schon nicht. Aber es bleibt schattig, feucht, düster.

Wenn ich, wie jetzt, Wohnobjekte beschaue, lass ich mich keinesfalls von der Blattlosigkeit des späten Herbstes täuschen. Ich sehe genau, was da im Frühsommer an Sicht versperrt sein wird, was zu räumen und wegzukarren ist. Wie viele Säcke und Körbe Laub und Nadeln solche Ungetüme darstellen.

Jaspers äusserte sich einst, er könne nicht mit Nietsches Alpen, ihm sage die offene Weite des Watt zu - sie versperre ihm nicht die Sicht auf die Dinge.

Genau deswegen wohne ich in Rhein-Main. Da ist es flach. Und daher soll es mir auch offen bleiben und nicht erstickend unter Grün, das man mE mit einer falsch verstandenen Liebe machen lässt, was es will. Denn die schönsten Gärten 'zeigen' sich mir, auf dass ich was von ihnen sehe. Nicht dass sie dir die Sicht und das Licht nehmen.

Daher also: Das feuchte Zeug mit seinen Altweiberspinnenfäden, seinen Schnecken und seinem Anspruch an Raum - es nimmt mir etwas, was ich aber brauche. Bisweilen habe ich dann eine Gartenschere im Auto und einen schnellen wie stillen terroristischen Moment.

Weil der Weg, den ich mitgemietet habe, für mich einen virtuellen Korridor darstellt, der nicht für Wildwuchs gedacht ist, sondern für meine Freiheit.

Bestimmt: nach Riemann-Thomann liegt mein Hauptfeld zwischen Wechsel und Distanz. Grün also gerne, aber geziemt. Ich mag weder von Hunden dominiert werden, noch von ausschiessender Natur.

Herzlich
Jona Jakob

Sonntag, 13. November 2016

Ankunft bei Erfolg II

Manchmal, wenn ich ein Ziel erreiche, so wie man einen Gipfel erreicht, raubt mir die Erschöpfung jedes Gefühl für den Erfolg. Noch am frühen Morgen, wenige Stunden zuvor, freue ich mich schon auf klein-wenig siegenden Taumel und etwas Genuss - doch nach Ankunft, nach Niederlegung, nach Verabschiedung und etwas privatem Rückzug breitet sich eher Leere aus bis hin zur Taubheit. Ich weiss dann nicht, selbst wenn von Aussen gefragt, ob ich was essen möchte. Ein Glas Festliches oder eine Zigarre schmecken nicht wirklich. Was mich gestern tragend rettete, war das häusliche Sofa, ein Lieferheld und eine Decke.

Bild (c) Selfie von Jona Jakob

Das Gemurmel um mich, vom Service bis zu anderen Gästen erreicht mich  gedämpft, meine Hand, die in der Gruppe ein Sektglas hält, vermag nicht. Vielmehr, wer auf mich blicken würde, sähe, dass ich daherkomme wie etwas, das ein Hund zu lange in der Schnauze hatte. Meist leitet mich dann meine Liebste, fährt und nährt, bis ich schlafe. Und wenn ich schlafe, dann sind es gerne Nächte, wo ich in abstrusen Haltungen aufwache, in denen ich einschlief, als ich nochmals auf den Computer schauen wollte.


Morgens, morgens will ich erst einmal von niemandem was wissen. - Irgendwann geht es dann wieder. Dass ich abends zuvor so noch gestrahlt haben soll, feixte oder Fotos machte und ein Lächeln im Gesicht hatte - keine Ahnung ...

Gestern. Etwas erreicht.

Jona Jakob - Frankfurt.

Donnerstag, 22. September 2016

Momente, wenn ich mich nach langer Navigation worin wiederfinde, was mir meine Position bestätigt

Gestern ergab sich ein Moment während eines Dokumentarvideos:

Yalom's Cure
Eine Anleitung zum Glücklichsein: Irvin D. Yalom gilt als der einflussreichste Psychotherapeut der USA. Kritiker beschreiben den 80-jährigen Bestsellerautor als inspirierend, fesselnd und lebensverändernd. 


In einem Interview von 2009 gab ich auf eine Frage folgende Antwort:

Lebensschulen - Was prägt mich?

U.a. die Philosophie des Existenzialismus

Da ist zum einen die Erziehung durch meine existenzialistisch orientierten Eltern. Besonders mein Vater prägte mich in dieser nackig-machenden Denkform und kritisch distanzierten Haltung, die von vielen Menschen eher 'negativ bzw. unangenehm' empfunden wird. Ich schätze heute das Blanke und Franke, auch wenn es anstrengend ist. Wo sonst sollte Veränderung und Entwicklung beginnen, wenn nicht am unbeschönigten Grund der Dinge? - Jona Jakob, 2009

Und jetzt höre ich Irvin D. Yaloms Worte in der Filmdokumentation, wo er sagt:


"Mein therapeutischer Ansatz ist mit den Worten Thomas Hardys folgender: 

Wenn es einen Weg zum Besseren geben soll, 
erfordert das einen umfassenden Blick auf das Schlimmste." 

- Irvin d. Yalom, zum 80. Geburtstag

Alle reden beim Wort 'Navigation' vom 'Ankommen' und 'Erreichen'. Dabei sollte in kristallklarer Weise vom Ausgangspunkt, vom Start, vom Ausgangshafen Bescheid gewusst werden. Dieser Messpunkt des Starts ist entscheidend, ob man dann am gewünschten Ziel ankommt. Und viel wichtiger, als dass Ihnen das als Leserin oder Leser nun "gefällt", ist, dass Ihnen das KLAR wird.

Coaching hat mE diese Klarheit und Ausgangsposition am Grund zu klären, damit man von-dort-aus'gehen-kann, anzukommen. Das ist keine Therapie, sondern geklärte Selbstkompetenz. Klar vor Augen haben, was man vermag. Und was allenfalls nicht. Wo die eigenen Grenzen und Fahrwasser liegen. So bleibt man auf Kurs und wirkt solide.

Ich danke an dieser Stelle meinem Vater, der mich stets auf den Beginn einforderte, nicht auf Ankommen - weil es beim Ankommen zur Sache nichts mehr zu sagen gab. Er sagte: "Darauf kommt es nicht an ..." - das muss man erst einmal gehört und dann noch verstanden haben.

Klaus, danke.

Jona Jakob
www.jonajakob.com

Sonntag, 18. September 2016

Kleines Gedeck

Ich bin gottefroh, ist das erste regnerische Herbstwochenende. Hat dieses Jahr gedauert und schenkte mir einen spätsommerlichen Geburtstag mit vielen Gästen, wie ich es nicht gewohnt bin. Es mag wem komisch vorkommen, aber ein Sonntag mit vielen Gästen, dafür brauche ich viele Tage, das alles in mir einzubetten, abzufühlen, zu sehen und nachklingen zu lassen. Ohne nun damit das Thema zu verlassen, aber meine Hochsensibilität erzeugt bei mir schon Macken - schöne wie zerschleissende. Als wir von dem Essen mit dem grossen Tisch am Sonntag heimkehrten, öffnete ich verschiedene Geschenke nicht. Tagelang nicht. Ich kann nicht. Ich kann eine gewisse Anzahl Gesten, Blicke, Hände und eben deren Geschenke an einem Tag verkraften, gerade weil sie mich sehr glücklich machen. Aber dann will ich aufhören, weil ein weiteres Geschenk nicht mit selber Kraft noch wahrgenommen werden könnte. Funzt so wie bei guten Fotokameras, wo der Blitz nach dem Shot so steigend summt und erst, wenn das Summen erlöscht, ist der Blitz wieder ready. Manchmal bin ich dann fertig. Und so öffne ich Geschenke erst dann weiter, wenn ich für mich meine, neue gebührende Präsenz, Kraft, Liebe und Aufmerksamkeit zu haben, dafür, was man mir entgegenbringt. Klingt jetzt unschön, ich finde es aber eben gebührend. Oder anders gesagt: Ich bin manchmal emotional überfüllt, wie ein voller Kühlschrank, und muss dann erst etwas Platz gewinnen, um Neues aufzunehmen. 

Heute, eine Woche später geniesse ich eine bunte Tüte ganz besonders. Es ist noch Sonntag früh, wir waren schon mit Phibi, kauften Brötchen, genossen Frühstück und sind wieder unter die Decke geschloffen. Ich nehme die Tüte aus meiner Gabenecke, wo auch Likör steht, Bücher, ein selber gemaltes Bild, Wein und Süsszeug. Ich verkrümel mich damit aufs Sofa. Ich lese die liebevolle Karte meiner Liebsten und sehe, dass ich eine Hand voll Badezusätze geschenkt erhielt: Glück, Liebe, Harmonie, Energy, etc. - ich liebe ja Bäder. 


Bild (c) Jona Jakob, privat.

Es ist Herbst, wenn ich mir sonntags so ein 'kleines Gedeck' einrichte. Ich habe dann meine Lieblingsutensilien da: einen Schreibblock, den Tintenschreiber, Brille, Döschen und weiteres. Das Buchgeschenk im bunten Beutel 'Die zwölf Gesetze der Macht - Angela Merkels Erfolgsgeheimnisse' ... ich hatte mir das gewünscht, weil ich in Twitter darauf aufmerksam wurde. Mein Notebook ist ohnehin immer dabei, egal wo. 

Aber was ich schreiben will, weil mich eine unbekannte Seele aufreibt und innerlich beschäftigt. Was ich da tue, ist form eines Selbstgespräches um nicht verrückt zu werden. Ich lese nicht aus Neugier. Ich lese, um mich zu beschäftigen, eine fortdauernde Selbst-Auseinandersetzung, um nicht einer Sinnlosigkeit zu verfallen, die mich krank machen würde. Ebenso in diesen Tagen sandte mir Georg Parlow ein Buch aus den seinen, einen Gedichtband, in dem auf den ersten Seiten zwei Sätze von Handke stehen: "Schreiben. Das unendliche Schweigen." Genau, so geht es mir. All das Zeug, was ich so pro Woche abdrücke, niederschmetter, in die Tasten bringe und aus meinen Fingern fliessen lasse, ist irgendwie ein Selbstgespräch. Woher sollte ich sonst Stoff kriegen? Manchmal, an langweiligen Tagen, schaue ich über 10 x online in die FAZ. Dann gibt es am selben Tag keine neuen Beiträge mehr, nix, das mich nährt, und dann habe ich das Gefühl, die Welt drehe sich langsamer. Es sei einfach nichts los. Handke ist es übrigens, der - neben dem oben neu gewonnenen - einen meiner wichtigsten Sätze im Leben formuliert hat: "In der Traurigkeit das Bedürfnis, schön angezogen zu sein." Ein Abgrund - eine massive Aufgabe, den Satz auszuloten. Echter Kauknochen. Auf dem subtextlichen dieses Satzes liessen sich tagelange Workshops erarbeiten. 

Diese unbekannte Seele, die mich umtreibt, sie zeigt sich mir wie eine Spinne, die sich im eigenen Netz verheddert hat. Nicht so übel aber auch nicht mehr wirklich freigängig. Es geht ums Denken und ums Schreiben und ums sich-Einordnen, bis man niemand mehr ist. Ich kenne das. Und ich wehre mich auf andere krüpplige Weisen dagegen. Fremdbeschränkt. Da helfe ich mir selber. Schön diese Woche, dass mich überraschender Weise vier kluge Köpfe angefragt haben, verknüpft zu sein. Die haben nämlich auch Hunger nach Stoff, Denken, Querem, neuen Sichten und die mögen auch eine gewisse gewagte Klarheit. Selbst im Zweifel oder im Scheitern kann man nämlich klar sein. Man ist dann sozusagen 'abgeklärt'. Aber eben ...

Herbst. Die Melancholie hervor. Andere Musik. Zu wechselnde Worte. Ich hab sogar die 'Americana' hervorgekramt, diesen Schrotthaufen. Und so lese ich an den Rändern von Phaszinosen fremde Ansichten zu Angela Merkel, lese Musil, lese Schirrmacher, lese Cioran, lese unzählige Male x'welche Onlineformate, von BILD bis NZZ. Ab und zu rauche ich eine Cigarre; auch das geht im Herbst besser. Die Luft dazu ist frischer. 

Wenn man durch seinen Geist in eine hohe Sensibilität gezwungen ist - oder wenn eine hohe Sensibilität einem all die Denkerei aufkniet, darf man sich nicht anpassen. Das macht einen krank. Das wäre der falsche Weg. Wenn Wahrnehmung oder Geist potentieren, muss man dem Futter geben. Man muss es spielen lassen, austoben und 'sparkeln', wie mal jemand sagte. Denn nur "so" wird es einem - wegen des Ausgleichs - noch möglich, das Simple, das Banale, all das zu erfüllen und zu erledigen, was einem nicht gut tut. Es sei an dieser Stelle weder abgewertet noch verurteilt, das Simple und Banale, es ist aber für einen sensiblen Geist oder einen geistig Sensiblen so, dass auch Arbeit, Texte, Dialoge und zu Erledigendes wie bei einer Diskussion zwischen Nahrungs- und Lebensmitteln, es sowas gibt, wie 'Junk Food' - Junk Food für mein Wesen, welches sich dann rettet durch eine eigene Küche, wo ich die Zutaten, die Zubereitung, die Reinheit und Klarheit für mich bewahre, bevor mir der Müll und Trash von z.B. Fernsehen meinen Leib vergiftet. Ein einziger Satz von Handke rettet mich für Wochen: "Schreiben. Das unendliche Schweigen.". Von solcher Substanz kann ich leben.

Dass mir meine Liebste einen Tisch mit vielen Leuten, Musik, Bäder und ein Buch schenkt, ist besonders darin zu erkennen, dass sie mich sieht und kennt und mich machen lässt. Sie gewährt mir diesen Raum, in dem ich wüten können muss, ansonsten ich eingehe wie ein verfilztes Tier an einer Kette. Daher auch mein immer dabei seiendes NOTE'book. 

Wann immer mich in den letzten Jahren etwas tiefer umtrieb, waren es Seelenverwandte, ähnliche oder gleiche bzw. bekannte Formen von Abgrund, Schmerz, Leiden und Aushalten. Sein unter Umständen. Und all dessen Abformen, krüpplig, verzogen, nicht wirklich leicht oder unbetroffen. Das Schöne, .. das Schöne ist für mich nichts, was ich im Auge erkenne. Das Schöne ist ein Gefühl von Dasein, Kunst zu scheinen, so dass es anzüglich wirkt. Anzüglich subtextlich. Anzüglich driftend. Anzüglich ringend darum, im Leben gelebt zu haben, nie wirklich wissend, was das genau sein könnte. Am Abgrund - mal mehr, mal weniger. Unerfasst. Fragil. Membran. Partikular. 

Das Bild oben, das ist mir ein toll gedeckter Tisch. Mal mit einem Glas, mal mit Raucherwaren, in ganz guten Momenten im Gespräch - sonst besser im Schweigen. 

Cheers - auf die Lust, herbstlich traurig zu sein.

Jona Jakob