Sonntag, 27. Januar 2013

Affig

Noch dümmer als eine Winterdepression ist es, solcherart ausgebildet und entwickelt zu sein, sich davor bewahren zu können, die Anzeichen erkennend und Gegenmassnahmen ergreifend. Man sitzt dann genau da in der Falle, zwischen Lichtkur und Vitaminpräparaten, Missbräuchen von Hundespaziergängen und einer Art dämlichen Stolzes, noch nicht zur Flasche gegriffen zu haben. Man wehrt sich gegen Süsswarenverzehr und beschneidet sich die Fersehstunden. Man tut so, als würde man lesen. Bei allen möglichen Abschweifungen ist der Haushalt gemacht, nichts ist mehr zu tun, die Aussentemperatur liegt im Minus, so dass man sich auf dem Strasseneis keinen Hüftbruch holen möchte. Man schaut "gut" zu sich, als wäre es Leben, wenn man sich vor ihm zu bewahren vermag.

Bild: (c) bei Jona Jakob, privat. Selfie.

Der Absturz ist gesellschaftlich nicht drin. Die Kunden würden sowas krumm nehmen. Sie kommen, um sich wieder ins Leben stellen zu können und nun schliddert der honorierte Begleiter in seelische Schieflage? Das geht nicht. Dabei kann niemand im Winter fliehen. Die Tage sind düster, die Kälte macht alles schwer. Allein dieses ewige An- und Ausziehen. Rein in die Kleider, raus aus den Kleidern. Schuhwerk zum Wandern, Nässe und beschlagene Brillengläser. Es friert einem latent und der Körper ist angehalten, genügend Energie zu produzieren, ob morgens auf dem Arbeitsweg oder abends im Wohnzimmer. Draussen scheint kein Sonnenstrahl, draussen herrscht ein Grau. Nordwind lässt einem das Gesicht erstarren. Bei Minusgraden mag man nicht einmal etwas Tabak rauchen. So ist es erneut kurz nach neun Uhr morgens, nichts ist zu tun, der Himmel bietet keine Fluchtmöglichkeit, die Jahreszeit auch nicht. Und so erhalte ich mich nah dran am Absturz in einer Form, die dem depressiven Gefangensein nicht viel unähnlicher scheint und halte mich, nicht minder peinlich, vor der Scham, die Haltung zu verlieren. Wie lächerlich. Vielleicht sollte ich einen Strauss Tulpen kaufen.


Text von Jona Jakob, Januar 2013 - Copyright Jona Jakob ©

Künstlerpaare

Es geht dabei aber nicht wirklich um so etwas wie Liebe, die wir allzugerne allem anbatschen, was harmonisch, zweisam oder miteinander wirkt. Es geht dabei vielmehr um SPIRIT. Man ist vom selben Geist getragen, nährt sich daran, quillt hervor, saugt ab, ergänzt. Man geht von einer Geburt zur anderen. Gleichzu verwirft man, zerstört, findet es Unsinn und Nichts und malt bereits das Neue, das noch genauer Gedachte. 


Gemeinsamer Spirit ist eine Art Verbündung - und bloss weil dann mal ein Mann und eine Frau so verbündet sind, ist es nicht um jeden Preis gleich eine Liebe. Hass und Kampf beziehen in selber Intensität und auch Paare zweier Männer oder Frauen ergaben Künstlerpaare, weil nur dieses andere Wesen zählte, egal sein Geschlecht. 

Die 2er-Kiste
- ermöglicht den Dialog, vom Einverständnis bis hin zum fatalen Vernichtungsstreit
- ermöglicht den Kreisschluss gegen alle anderen, die einem anfeinden
- ermöglicht die gegenseitige Bestätigung, so dass man sonst niemanden braucht
- schützt vor jeder Scham, Armut, Geldnot und illegalem Ge- und Verbrauch
- bewahrt Geheimnisse
- und zum Schluss tötet sie sich gegenseitig als Gang in den Tod, als Mit'Gift.

Das Zweisame ist ein horrendes Mehr an Werk, an Arbeit, an Leistung und Bewegtem.

Oft ist die Kraft so enorm, dass man ohne den anderen nicht könnte. Aber genau das ist nicht Liebe. Das ist in seiner Fatalität so viel mehr, ist Tanz auf dem Vulkan, ist Auf- und Niedergang und viel Abhängigkeit, die man nicht missen möchte.

Es ist so einfach, alleine zu leben.  
Es ist so fatal, sich jemanden auszusuchen, mit dem man ringt.


Text von Jona Jakob, Januar 2013 - Copyright Jona Jakob ©


Renate Milena Findeis, Prag, schrieb mir dazu: 

Dem Ringen mit mir selber - kann ich entgehen, indem ich mir einen Sparring Partner suche, der das gewünschte Echo, das ich nicht produzieren kann, hervorruft. 
Wenn die Erwartungen ausgeblendet werden, die Ideale nicht mehr das bestimmende Element sind, entsteht Platz für Lebendigkeit: im Alleinsein. 

Schreib-Blog von Milena Findeis: www.zeitzug.com  

... danke Milena.