Samstag, 6. August 2016

Desperated - oder: Eine Woche für 'nen Arsch

Eigentlich hätte ich gerne den Druck einer Diät ausgehalten. Jetzt schon eine Woche lang. Aber am Dienstag erkrankt der Hund massiv an seinem Anus. Das wirft mich um drei Tage aus dem Programm. Ich ringe um Schlaf. Ich ringe darum, dass der Hund sich nicht leckt. Es regnet in den Tagen, in denen ich den Hund tragen muss. Eine Geldsache gerät ins Stocken, nicht wirklich, aber für diese Woche doch. Einfach ein verspätetes Zielabhaken. Obwohl 'Daniel' da sein sollte, ist der Himmel grau. Es ist unterdessen Freitag, ich war vier Mal beim Tierarzt, der glücklich ist, dass die Wunde noch nicht verheilte, damit sie noch 'ausnässt'. Ich wäre dankbar, das Nässen würde aufhören.

Bild / Selfie (c): Jona Jakob, privat.

Damit ich mit dem Hund nicht alleine im Auto bin, fahre ich mit Elke, was aber bedeutet: Aufstehen um 05 Uhr 30 und Heimkommen nicht vor 18:00 Uhr. Es ist unterdessen Freitag, ich könnte auf Samstag schlafen. Das gesunde bunte und vitaminreiche Essen schlägt an, ich liege hellwach. Die Nachbarn oben feiern etwas. Im Fernsehen bleibt nur die Olympiaeröffnung. Der Rücken schmerzt. Es ist Samstag, eine Art empfundener Schutzraum an Zeit, wo ich mich aufpäppeln könnte. Da geht das Internet nicht. Ich fange an zu verzweifeln. Ich wollte nur eine Diät aushalten, aber irgendwie bricht darüber der Rest an Weltschmerz ein. Es ist mir gefühlt 'nix' gemacht, noch viel zu tun, es funzt aber nicht und ich meine, von tosenden Wellen der Anforderungen überschlagen zu werden. Es ist ein toter Hochsommersamstag bei graukühlem Wetter. Wie geht das im Erlkönig? Der Hund, er lebt, sein Herr ist tot. - Ok, vor mir starb vermutlich Unitymedia. Verzeiht, wenn ich gedanklich zu Alkohol tendiere und es ist 09 Uhr 30. Es war noch nie hart, eine Diät auszuhalten. Was hart ist, sind die vielen Mächte, die alle Aufmerksamkeit an sich reissen, sobald man wegen Energieentzuges dünne Haut kriegt. Jedenfalls schwebt das durch meine subjektiven Projektionen. Mir fällt der naseweise Spruch vom Regen ein, und dass wenn ich schlechte Laune hätte, es dennoch regne. Ich versuche es ja, ... aber fürs Glück nun Elke und Hund mit lautem Heavy Metal zu beängstigen, fände ich auch nicht fair. :-)

Mittwoch, 27. Juli 2016

Gefühlscumuli

Noch scheint der Tag zu schlafen. Es ist Sommer, der Morgenhimmel grau, es wären Temperaturen, bei denen ich endlich schlafen könnte. Da muss ich auf. Kaum in den Korridor getappt, springt mich Phibi an, unsere 5-Kg-Hündin, weil sie sich über die morgentliche Begrüssung freut, wie ich auch. Doch mein Stress ist eher physischer Natur, ich muss dringend austreten und habe für zu lange Hundebegrüssungen keine Ruhe. Morgens bin ich irgendwie der Zeremonienmeister. Ich bade. Nach 20 min bin ich raus ausm Bad, da begrüsse ich meine Liebste. Sie braucht dringend ihre 30 min um wach zu werden, sonst ist das Gehirn noch matschig, wie sie sagt. Obwohl ich sie gerne umarmen würde, meint der Hund, er müsse sich dazwischendrängen. Ich fühle, wie das Biest mir Begrüssungsenergien abzieht und deswegen die Liebste dabei zu kurz kommt, jedenfalls hat sie nicht die ganze Zuwendung erhalten, einen Teil raubte der Hund. Dann rauben erste Medieninhalte unsere Aufmerksamkeit.

Bild von Sabine Antonius, Deutschland / (c) bei Jona Jakob

Der Hund schreit, als würde er abgestochen. Wir wissen nicht, was los ist, da kommt sie schon angeschmust. Irgendwas war, meine Liebste macht sich schon mal Sorgen. Dabei kämpft sie selber seit gestern mit einem entzündeten Auge, welches über Nacht echt nach Gewalt im Haushalt aussieht, so angeschwollen ist es. Da meine Beste hart im Nehmen ist, flachst sie darüber nur rum, aber nun mache ich mir Sorgen. Unterdessen steht der Hund im Korridor mit Hängeohren und Depri-Gesicht. Sie kriegt von mir liebevoll Frühstück. Sie frisst es nicht, weil sie schon Stress schiebt, ich könnte bereits gehen, was ich morgens meist mache: ich gehe früher und Phibi mit Schätzchen fahren etwas später nach. Nein, Phibi, alles gut, du kannst fressen, ich möchte dazu aber nicht mit dir in der Küche rumstehen. Ich fülle das Hundefutter in die Dose zurück, ein Rest bleibt im Schälchen. Phibi druckst rum und frisst anstelle des Futters meine Nerven. Da sie den Rest nun doch anfängt zu fressen, räume ich solidarisch die Spülmaschine aus. Ein Griff an das Backblech, das ich für trocken halte, aber da läuft mir schon ein gefühltes Glas Wasser über die nackten Beine. Aus irgend einer Rinne im Blech tropft Spülwasser, der Küchenboden ist nass und ich mitten drin mit meinen Frottee-Pantoffeln ausm Wellnesshotel. Neeeeiiiiiiin ... uäääääkkkk.... Der Hund flieht, weil Spritzwasser sie trifft und ich eben uäääkkkkk rufe. Meine Liebste tut mir leid, weil das Auge so geschwollen ist. Und ihr tut der Hund leid, weil die im Bett unerklärlich quikte. Innerlich möchte ich längst im Wagen sitzen, und Arbeiten ableisten, doch dann kommt das allmorgendliche Ritual der Dispositionsfragen: Haste? Biste? Wollmer? Wie denn? Ach so! Tust du? Gehe ich? ... meine Liebste sagt: "Mann, sieht das Auge übel aus." Der Hund hat sich ins Bett verkrochen und tut so, als müsste niemand los. Eigentlich haben wir uns hier schon alle leicht verrückt gemacht, obwohl der Tag noch keinen Anfang nahm. Vermutlich sind wir alle erleichtert, wenn wir arbeiten können. Da tippelt Phibi übers Laminat, das für mich typisch erkennbare "kantappakantappa" ihrer Krallen, die sagen: "Ich muss raus!" - Ja, aber ich sitze hier noch halb nackig und schreibe davon, wie wir uns hier vor lauter Aufmerksamkeit und Mitgefühl unsere Empfindsamkeit aufschaukeln - und das musste einfach mal beschrieben werden. Wir sind nicht wirklich eine 'Bande' - wir sind ein 'so hachsensibler Zopf' aus einzelnen Strängen. Und gefühlt ne kleine Gewitterwolke.

"Phiiiiieps!" - Der Hund phiept. Sie heisst ja auch Phibi.

:-)

Mittwoch, 27. Januar 2016

Ihr kennt das ... man dreht ein Fernglas um und sieht dann erst die Ferne.

Hinweis: Dieser Beitrag nimmt im Mai/Juni 2016 an einer Blog-Parade unter diesem Link teil, wo auch andere Beiträge verlinken, WIE sie zum Schreiben gekommen sind. Mein Beitrag wurde nicht extra dafür geschrieben, aber zufällig vor drei Monaten. Er passt authentisch und uneditiert zum Thema. Lesen Sie bei Eva Laspas rein: http://www.evalaspas.at/blogparade-mein-schreib-weg/ 

Ich schrieb mit acht Jahren meinen ersten Liebesbrief. Es war nur ein Zettel und drauf stand "Willst du mit mir gehen?" Das war es schon. Aber was den Wisch ausmachte, war seine Übersendung. Da wir im Schullager Mittagsruhe in einem speziellen Schlafsaal halten mussten, gab es dort Doppelstockbetten bzw. -liegen. Und oben lag Helena Slavik. Als sie sich nach den 45 min am obigen Bettrand aufsetzte, hatte sie schon ihre Hausschuhe an, eine Art Pantoffeln, welche an den runterhängenden Füssen so klafften, dass ich meinen Zettel mit leichten Fingern ihr unter die Sohle schieben konnte. Weil das kitzelte, so mein Kalkül, schnappte der Pantoffel wie eine Falle zu, meine Geheimnachricht war eingeschlossen und die Botschaft wurde hochgezogen und flach auf der Matratze liegend versteckt gelesen. Meine erste SMS sozusagen.


Ich mag dieses Bild, welches mich so zeigt, dass das Gesicht meines Vaters durchschimmert.
Bild (c) : Jona Jakob, Selfie, privat 


Danach schrieb ich immer wieder Briefe. An Gott und die Welt. An Mädchen und Frauen. An Lehrer und Nachbarn. An irgendwen. Ich bekam meist erstaunte Antwort bis mich später die Philosophie reizte und kaum noch jemand mich verstand, ausser vielleicht mein Vater. Bis dahin hatte ich vier Bundesordner voll.

Zu meiner Volljährigkeit erschien meine erste Publikation, ein 8-Seiten-Heft A5, von dem es exakt 2 Stück gibt (1 Exemplar besitze ich noch). Auf das andere hin schrieb mir mein Vater einen langen Brief, in dem auch seine berühmten Zeilen bezüglich einem 'verzauberten Herzen' stehen - wenn Sie die nicht kennen, fragen Sie mich. Sein Brief ist heute noch eine Wucht.

Meine Liebschaften liebten es, wenn es von mir Post gab. Sie liebten meine Briefe, meine verlorenen Sätze an Spiegeln, Tafeln und Kacheln, meine subtextlichen Anspielungen, die einem zärtlichen Streicheln nur für die Eine, aktuelle, gleichkamen und die gerne in Handtaschen aller Art eine Bleibe fanden.

Dann kam das Internet.

Ich war unterdessen ca. 35 oder 40, als ich immer komplizierter schrieb. Meine Gedanken und Abhandlungen überforderten mein Umfeld, ich nervte oder erhielt keine Aufmerksamkeit. Das ärgerte und kränkte mich und ich bezichtigte mein Umfeld des Banausentums und der Faulheit, sich mit den Dingen vertieft auseinanderzusetzen. Ich scheiterte. Ich scheiterte an meinem übermässigen Bemühen, angenommen zu werden, verstanden und geliebt und erfuhr das Gegenteil, Unverständnis, Ablehnung, bis hin, ich sei ein Spinner und mit mir wolle man nichts zu tun haben. Es war die Zeit, als ich erste Texte ins Internet schrieb, anfänglich noch auf eine Website.

Als ich meine Geschäfte in Zürich verlor, das Haus und meine Frau, schrieb ich wie in Blöder. Ich erstellte mir schreibend ein Parship-Profil und angelte mir nach der ehelichen Trennung viel spontane Intimität. Ich war da 124 Kg schwer und depressiv, vom Typ Rolf Lassgard, der den Wallander spielte.

Da geschah meinem Schreiben eine kleine Wendung, die ich erst drei Jahre später bemerken sollte. Parship zeigte mir ja auch, wer mir wie zurückschrieb und das waren deutsche Mädels und nicht die Schweizerinnen. Die notieren drei Zeilen in Kleinschrift und Schweizer Dialekt "Hoi, bisch no en Luschtige. Mir chönnte mal en Kafi ha." - Das wars aus der Schweiz. Aber aus Deutschland kam Post. Richtige Post. Eine Antwort umfasste gerne ein bis zwei A4-Seiten und schrieb ich wieder zurück war gleich wieder was zu Lesen da. Da war Austausch. Ich war weiter in fremden Betten unterwegs, ob in Stuttgart, im Taunus, in Strasburg oder Hamburg. Fett, müde, schwerfällig und irgendwie suizidal ... aber intelligent genug, mit Sprache zu verzaubern und hierfür Hof zu erhalten, als wäre ich ein Narr und Sänger in alten Zeiten.

Als Parship zu anstrengend wurde und ich wieder alleine in Zürich sass, begann ich in XING. Wow, da gab es schreibende Gruppen für Philosophie, Schreiben, Menschsein, etc. etc. In 10 Jahren XING muss ich an die 100'000 Beiträge gepostet haben. Bei gezählten 30'000 gab ich auf. Ob ich mir bei den Philos Freund und Feind einhandelte, ob ich bei den Schreibenden mehr Prügel für meine Sprache und Scheibe erhielt, als je von meinem Vater, ob ich in Gruppe zu Betroffenheitsthemen mit meinen Sprachbildern und Formulierungen Furore machte - egal. Ich war alles, nur kein Trockenschwimmer mehr. Ich hatte Publikum, Leserschaft, Zugeneigte und richtige Streitpartner. Meine Schreibe kam an.
Und auch in den letzten 10 Jahren der Leserschaft habe ich mich nochmals drastisch verändert. Ich schreibe wieder anders, durchschrieb eine bis zwei Metamorphosen, Krisen, Enttäuschungen und Wiedergeburten. Mein Wesen kehrte sich in all dem aus. Mein Geist, meine Seele, mein Weltbild. Es veränderte sich mein Wortschatz, meine Rechtschreibung, mein  Blick für andere Texte und Schreibweisen. Was sich wirklich änderte ist, dass heute immer wieder jemand fragt: "Wann schreibst du ein Buch?" Und der aktuelle Höhepunkt einer darauf hin bezogenen Antwort gab gleich jemand aus der Leserschaft. Sie sagte laut heraus: "Von dir stehen schon so viele Bücher im Internet." - Das war vielleicht die schönste Bestätigung, weil ich mich da gelesen fühlte.

Ich war also noch nicht einmal 50, als mich wegen meiner Schreibe eine Frau anging, die ich im Leben nur drei Tage erleben durfte. Sie gab mir in der kurzen Zeit zurück, was mir in den fast 25 Jahren zuvor wegen Entfremdung verloren gegangen ist. Dann erfuhr ich von meinen Anteilen an Begabung und Sensibilität und ich zog mehr und mehr nach Deutschland, nach Frankfurt um es genau zu sagen, wo ich heute lebe, weil man mich hier versteht.

Heute schreibe ich aktuell in 8 veröffentlichten Blogs und werde eingeladen, an prominenter Stelle Texte beizutragen. Und immer wieder erkenne ich drei Dinge, die mir erwachsen sind:
- ich kann Dinge sehend erkennen und diese dann in Sprache betten, als würde ich zeichnen
- ich kann in dieser Sprache Gefühle, Bilder und Verstehensweisen bilden und
- Sprache wie Intellekt sind ohne jede Professur aus mir gewachsen, was heute MEINES ist, auch wenn ich es nur 'Meine Schreibe' nenne.

Letzte Nacht, als Sie mir schrieben, entwickelte mein Kopf einen 'Titel' im Bereich meines Arbeitens, ein Titel, der Produkte bezeichnet, die es noch gar nicht gibt. Ob darunter Bücher, Kurse, Seminarien oder sonst Haptisches entsteht, ist schier egal, aber im Fachbereich, in der Kunst mit Menschen, habe ich mein Dach in Worten erschrieben, auf dass ich darunter trocken und kaum beraubt bleiben und arbeiten kann.

Und in dieser Freiheit die Arbeit zu tun, die ich bis in meinen Tod tun will, erschrieb ich mir neu gewonnenen Boden und Raum, auch mal wieder etwas zu schreiben, das einfach so daher kommt. Kann gut sein, dass nächstens 'Limbach' über was stolpert. Was mir dabei aber noch wichtig ist und was nach dieser Notiz spürbar sein müsste: Ich schrieb. Ich schrieb an wen. Aber ich schrieb immer weniger für wen und schrieb dafür immer mehr für mich. Ich bin bester Dinge in dem Gefühl, zu wissen und zu spüren, was mir das Schreiben gut tut. Und in dieser Selbstzugewandtheit ist vielleicht jenes, was andere für sich selber auch gut finden können, ohne jede Botchaft von mir, auf dass sie ihr Ding tun.

Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht. Für Sie jedenfalls nicht. Für mich schon. Ich muss das auch nur für mich wissen. So auch dieser Text, den ich für mich schrieb und der vermutlich nun in den Blog wandert.

Ob und was Sie mit sich nun tun, werden Sie mich vermutlich wann wissen lassen. Das macht es mir dann auch möglich, mich darüber zu freuen, egal, ob Sie von einer Krise oder vom Erfolg erzählen, vom Ruhenlassen oder von wildem Tatendrang. Das ist dann Ihre Geschichte. Vergessen Sie daher das Publikum - sehen Sie sich, maximal noch Ihr Werk - basta.

Jona Jakob - 2016

Dienstag, 15. Dezember 2015

Von Forellen

Ein grosser kräftiger Mann öffnete mit seiner linken wuchtigen Hand den zu kleinen Knopf seines rechten Hemdärmels. Dann fasste er mit den vier Fingern unter die Ärmelkrempe und stiess dabei gleichzeitig den Daumen von der Gegenseite gegen das verdickte Absatzstück. In der Weise faltete der grosse kräftige Mann seinen rechten Ärmel sozusagen rollend Lage für Lage nach hinten auf die Höhe des Ellbogens.

Dann drehte er sich langsam mit der rechten Hüfte zum Kaltwasserbecken und streckte seinen rechten Arm bis zum Hemdanschlag langsam und sachte ins kalte Wasser. Das Kaltwasserbecken wimmelte wellig von dunkelgrauen, bläulich schimmernden Frischwasserfischen, Forellen, um genau zu sein, von Bachforellen, gross und fest, wie alles Ländliche.

Der kleine Junge, der bisher alles beobachtet hatte, ängstigte sich etwas darüber, dass der grosse kräftige Mann seinen Arm unter die Tiere trieb. Noch wusste der Junge nicht, was er vor hatte. Nur alles sehen konnte er, da das Becken aus Glas war und die Scheibe nicht angelaufen.

Der grosse kräftige Mann lächelte den Buben an, der sich über die Nervosität der Tiere erschrak und sprach: "Schau, es sind schnelle, gescheite und schöne Tiere. Sie wissen, dass ich ins Wasser greife." ... und dann gelang es dem grossen starken Mann, einer schillernden Bachforelle mit seinem dicken Zeigefinger den Nacken zu streicheln. Einfach mit dem Handrücken des Zeigefingers, vom Kopf bis zur ersten Rückenflosse und zurück. Das Tier, zuvor noch verängstigt mit den andern im Kreis geschwommen, hielt still und war so ruhig, so seitlich am Glas, dass der Junge die Ruhe spüren konnte.

Noch während der grosse kräftige Mann seinen Arm aus dem Becken zog, sagte er zum Jungen: "Das geht auch mit Hühnern, Katzen, Hunden, Kühen und Pferden. Du musst nur die Stelle kennen." Dann legte er kurz seine trockene linken Hand dem Jungen über den Nacken auf dessen linke Schulter, sah ihn von oben herab lächelnd an, nickte zur Bestätigung schweigend und liess den nun völlig ruhig dastehenden Jungen für einen Moment mit seinem Staunen alleine.

Text von Jona Jakob - Juli 2006

Mittwoch, 29. Juli 2015

Ankunft bei Erfolg

Manchmal, wenn ich ein Ziel erreiche, so wie man einen Gipfel erreicht, raubt mir die Erschöpfung jedes Gefühl für den Erfolg. Noch am frühen Morgen, wenige Stunden zuvor, freue ich mich schon auf kleinwenig siegenden Taumel und etwas Genuss - doch nach Ankunft, nach Niederlegung, nach Verabschiedung und etwas privatem Rückzug breitet sich eher Leere aus bis hin zur Taubheit. Ich weiss dann nicht, selbst wenn von Aussen gefragt, ob ich was essen möchte. Ein Glas Festliches oder eine Cigarre schmecken nicht wirklich. Was mich gestern tragend rettete, war der breite Sessel, den ich spezifisch in einem Hotel suchte, weil ich meinte, dass mich kein Möbel sonst adäquat trägt.

Bild (c): Jona Jakob, privat (by Elke Merkel)

Das Gemurmel um mich, vom Service bis zu anderen Gästen erreicht mich  gedämpft, meine Hand, die einen Tumbler hält, vermag nicht jene Geste allem Grossen zu vermitteln. Vielmehr, wer auf mich blicken würde, sähe, dass ich daherkomme wie 'was, das ein Hund zu lange in der Schnauze hatte. Meist leitet mich dann meine Liebste, fährt und nährt, bis ich schlafe. Und wenn ich schlafe, dann sind es gerne Nächte, wo ich in abstrusen Haltungen aufwache, in denen ich einschlief, als ich nochmals auf den Computer schauen wollte.
Morgens, morgens will ich erst einmal von niemandem was wissen. - Irgendwann geht es dann wieder. Dass ich abends zuvor so noch gestrahlt haben soll, anstiess, Fotos machte und ein Lächeln im Gesicht hatte - keine Ahnung wie .. :-)

Gestern. Richtig was mit wem erreicht.

JJ - Frankfurt.

Dienstag, 14. Juli 2015

An Tagen wie diesen - ...

Jetzt habe ich tagelang den Griechen-Krimi mitverfolgt. Dann gestern der erste Entscheid, Ausdruck von Haltung und Orientierung, von Ohnmacht und einem Verbleiben. Danach war mir schlecht, physisch schlecht. Mein körperliches System rebellierte.

Denn zur gleichen Zeit war ich implementiert, ein Unternehmen aus den Miesen zu kriegen, dem, was man gemeinhin einen Turnaround nennt. Und wir sind raus, aus den Miesen. Wir haben restrukturiert, geopfert, zugelegt. Wir generieren eigenes Geld und haben zufriedene Kunden, seit einiger Zeit nun. Und ich erinnere mich an den Herrn vom Finanzamt, der mir am Telefon mitteilte, er sehe vor, uns zu verklagen, wenn wir die Steuern nicht pünktlich überweisen würden, da er den Verdacht auf Veruntreuung vorwerfen werde. Er sah dann davon ab, aber ernst war es ihm ohne Zweifel. Als jemand, der aus der Schweiz stammt, war mir dieser Ansatz nicht nur ein bedrohlicher sondern ein höchst philosophischer, ein kultureller und staatstragender.

Quo vadis? / Bild / Jotter (c): skizziert von Jona Jakob, privat
Solche gleichzeitigen Wahrnehmungen, wie auch den Syrienkrieg oder ISIS, die abgefackelten Flüchtlingsheime, das Flüchtlingsdrama ohnehin. Die Frauen-Fussball-WM, der russischen Waffenaktivitäten, whatever, die machen mich an gewissen Tagen kaputt. Kaputt in dem Sinn, dass sie mir in ihrer Form und Entwicklung schier alle Werte aus meinem Leib und meiner Seele reissen. Was gilt noch? Was ist noch richtig oder falsch? Woran soll ich mich orientieren? Es kriegt also endlos Geld, wer schon richtig Schulden hat? Wir retten 8 Stunden eine Katze vom Baum, lassen aber Boatpeople ersaufen. Wir checken uns an Flughäfen bis auf die Haut, fliegen aber ein volles Flugzeug an die Wand. Wir werden DSDS-Sieger, sind aber ein absichtsvoller Krimineller. Die Zweite, die nichts bekommt, darf die halbe Million davonschwimmen sehen an einen, der nicht vertretbar ist. Und nun Schäuble mit einem Shitstorm niedermachen, als hätten alle mit innerer Sicherheit eh gewusst, dass man zu Griechenland halten "soll".

Ich nein. Ich habe das nicht gewusst. Dieser zu tiefst therapeutische Gedanke, man sei immer ok, hat seine Gültigkeit und ist nun zuletzt gewählt worden. Aber in einem Coaching oder in einer zur Bestimmung fähigen Führung, in einem Turnaround oder vor der Wahrnehmung, sich gesetzlich verantworten zu müssen, in solchen Kontexten - allein dem, eine Buchhaltung mit positivem Erfolg abzuschliessen - hat und haben Schäuble und alle Ablehner der Lösung, neue 80 Mia gegen 12 Mia in 3 Jahren mE eine durchaus vertretbare Position.

Eine meiner wichtigsten und beständigsten Aufgaben als Coach ist es, mich und meine möglichen Kunden darauf aufmerksam zu machen, in welchem Kontext der Wunsch nach einem Coaching angesiedelt ist. Er mag noch so viele therapeutisch wirksame Anteile in sich enthalten - es bleibt ein Coaching. Wir haben ein Ziel, wir haben eine Abmachung, wir haben einen Weg. Was wir nicht haben, ist eine Betteltour (die bleibt ok, aber nicht im Coaching-Kontext; da wieder, man muss es sich vor Augen halten).

Der gestrige Entscheid eines neuen Hilfspaketes, hat mich bis aufs Mark erschüttert. Denn ich spürte in mir diese Haltung nicht wirklich vertreten zu mögen. Allein diese Ambivalenz, ein Unmenschlicher zu sein und gleichzeitig meinen verstorbenen Vater zu spüren, der mir Grenzen zeigte - oder der erfasste humanistische Gedanke des ewigen OK-Bleibens, auch als Delinquent in der Todeszelle, als Obdachloser und Armer vs. der Notwendigkeit, die eigene Komfortzone verlassen zu müssen, wenn sich etwas ändern soll. Ich war in mir bei dem, was wir therapeutisch 'Vampirismus' nennen, beim Beenden des ständigen Rettens um im Anderen Bewegung und erst einmal genügend Not zu schaffen, bis er es nicht mehr ertragen mag und sich fortgestaltet. Gestern wusste ich, einer mega Krise gleich, nicht mehr, wer ich war, sein möchte und zu sein habe. Es war mein Vater, der mir damals bei Erscheinen des Kinofilms 'Apokalypse now' erklärte, ich muss 20 gewesen sein, dass die auch biblisch dargestellte Apokalypse nicht den Gedanken vieler bebildeter Darstellungen gleich kommt, nämlich dem Zerfall von Leib und Gütern, sondern vielmehr, dass die Apokalypse zum Ausdruck bringt, dass ALLE WERTE zerfallen - also das Abstrakte versaut sich: Liebe, Freude, Wohlsinnen, Schmerz, Angst, Rechtschaffenheit, Ehre, etc. - DAS geht dabei kaputt. Und gestern, bald 15 Jahren nach meinem Geburtstag am 11.09.xx stand ich innerlich bewegt wie zerschlagen vor dem Fernseher und versuchte ein weiteres Mal ansatzweise zu verstehen, was nun apokalyptisch alles geschaffen wie auch verdreht wurde. Ich müsste an der Stelle Sloterdijks 'Kritik der zynischen Vernunft' neu oder bestätigend lesen, der da formulierte: "VERSCHRAUBT."


Sehr geehrte Leserschaft

Ich habe manchmal echt keine Ahnung mehr. Bisweilen ist dieser Zustand, je älter ich werde, mal grösser, mal kleiner, mal egal und mal mich arg angreifend, so dass ich das starke Bedürfnis in mir verspüre, mich finden und sichern zu müssen. Denn mit jedem Schritt erfahrenem Vorwärts vermag es mir nach soliden Tagen auch das Innere leichter aufbrechen, nach dem ich erkennen muss, wie erbärmlich pragmatisch Vieles aufgestellt ist, sich etwas vormacht und eigentlich nicht zu verantworten ist.

Dann wirft es mich auf mich selber zurück, letzte Instanz meiner Möglichkeiten. Ich fange dann an, schweigend meine Schuhe zu putzen, Blumen zu giessen, den Abfall rauszubringen. Getting things done. Irgendwas, das mich glauben und spüren lässt, rechtschaffen zu sein, wenn es getan sei. Ich versuche dann, die Welt möglichst nicht zu sehr zu belasten. Und ebenso gehe ich in mir an die Punkte, in denen ich vor Grössen frank und blank dastehe, in einer kleinen Form von Hoffnung, damit auch für andere etwas Aufrichtigkeit spürbar machen zu können. Dass mir zu viele schweigen und irgendwie weitermachen, weil auch ich nicht wüsste, wie anders, das aber schreibe ich weiterhin eher noch einer Unzulänglichkeit zu, denn einer mir aus Bedürfnissen der Entlastung selbst  zugeschriebenen Demut. So fein bin ich nicht.

Jona Jakob, 2015

Sonntag, 28. Juni 2015

Tunesien - und mein Liegestuhl in Ägypten

Es ist Sonntag, ich muss hier sitzen, im privaten Zuhause bei Frankfurt.

Noch am Donnerstag zuvor bin ich aus Ägypten hergereist, wo ich morgens mit meiner Liebsten früh zweimal um die Lagune ging, Geschäftliches besprechend. Wir hatten eine Woche Urlaub dort verbracht, in jenem Resort, das keinen Deut anders aussieht und angelegt ist, als das Resort in Sousse.

Zwei Tage noch früher fuhr uns ein netter Kerl mit seinem Taxi zu einer Mall und vereinbart wieder zurück. Er gehört zu hoteleigenen Taxiorganisation. Als wir aufs Gelände fahren wollen, ist da nicht nur erst der Torwächter mit drei bis fünf Mann, sondern auch einer, der den Unterboden des Wagens mit einem Spiegel abcheckt. Am Fahrerfenster redet man befreundet darüber, dass man sich ja kennen würde. Aber es wird kontrolliert bis hin zum Kofferraum.

Nach dem Durchlass lache ich den Fahrer an, der uns auch etwas vom Ramadan erzählt hatte und sagte: "Schaue es dir an, du kannst Ramandan-fasten, du kannst beten, du kannst ein durchaus Gläubiger sein - aber: sie trauen dir nicht. - Du hast keine Chance, ein ordentlicher Mensch zu werden, so lange sie dir die Bomben und den Anschlag zutrauen. Sie halten dich unten, egal wie du dich bemühst." Er verstand meine Ironie und wir lachten alle und er sagte, ich hätte vollkommen Recht.

Mit diesen wirklich geringen Kontrollen, da ich von meinen Middle-East-Geschäftsreisen weitaus strengere und vermehrte kenne, geriet ich, ohne ein Wort meiner Liebsten zu sagen, gedanklich zur Vorstellung, ein Trupp Terroristen würde das Resort überfallen, mit Handwaffen, und wir, meine Liebste und ich, wären vielleicht im Zimmer oder auf einem der Liegestühle. Ich dachte und träumte innerlich echt davon, was ich dann für uns tun würde! Ich war bei den Ängsten meiner Partnerin, beim eigenen Verhalten, bei Flucht- und Schutzstrategien, beim Versuch, zu überleben und nicht zuletzt sah ich mich vor einem Gewehrlauf, nur um zu versuchen zu erfühlen, wie ich da reagieren könnte. Aber: bei allem Versuchen, ich weiss es nicht. Da muss es Mittwoch gewesen sein, und ich hielt daher den Mund.

Am vergangenen Freitag dringen zwei Täter vom Strand her in ein Resort, sprechen urlaubende Fremde an und fangen an, sie zu erschiessen. Um das Unvorstellbare irgendwie zu fassen zu kriegen, zeigt man im Fernsehen Bilder, wie ich es mir vom eigenen Resort machen kann - es sieht um keinen Deut anders aus, als in Sousse und hätte auch dort passieren können.

Hier sitzen, am heutigen Sonntag, hat etwas von 'müssen', da 'damit'.

Jona Jakob

Samstag, 18. April 2015

Kein Platz für Format

So, Autohersteller, Bundesstaat oder Grossbank, jetzt macht aber vorwärts. Ich habe nun eine iWatch und will endlich euren Webcontent erfasst kriegen, ihr Schlafmützen. Google will das so.

Schon in meiner Schulzeit monierte ich das Beschränkte am Format A4. Es reduziert einem. Später wusste ein Intellektueller zum Format Powerpoint: "Wenn du nichts zu sagen hast, brauchst du ein Programm, das dich dabei unterstützt, nichts zu sagen." Die 10 Punkte für dies und die 6 Regeln für das sind quantitativ solcherart reduziert, weil das Flip-Chart nicht mehr Platz gewährt. Alles flache Horizonte, an denen man dahinter in die Tiefe kracht.


Nun folgen Miniformate von Smartphones und Tablets. Die Aussagen im Twitterformat. Kein Epos mehr, keine Sinne, ausser dem des Sehens, allenfalls miesem Hörens. Das Retardierende am Fortgang. Und allgegewärtig Werbung. Die Timeline, irgendwo dazwischen, das neue Oeuvre.

Ich fange nächstens an, meine Messages an die Welt in tonnenschwere Steinquader zu schlagen, haptisch, riechend, klingend, dreidimensional, hörbar. Und wem das den Sinnen nach noch zu wenig ist, der kann mal dran lecken.

Oder ich verfalle in ein vielsagendes Schweigen, DEM Mythos allemal.

An Tagen, wo ich melancholisch bin, kaufe ich mir ersatzweise die BUNTE.

Jona Jakob

Samstag, 7. März 2015

Zum ganzen Selbst

So lange man als Mensch keine innere Ruhe hat, etwas nicht zu wissen, nicht zu kennen, etwas nicht ergründet und erkundet zu haben, etwas nicht erstanden oder gesehen bzw. erlebt zu haben, so lange ist ein Mensch kein Lernender, wie behände schönlippig behauptet, sondern ein Von-Angst-Getriebener, ein Kümmerling.

Er oder sie lernt dann nicht, weil er sich er'gänzen würde, sondern aus Furcht, ohne nicht bestehen zu können und bleibt endlos Gefangener seiner Unzulänglichkeit.

Und so lernt er auch nicht, um stark, gross oder weise da zu sein, sondern um sich fremdverantwortende Vorteile zu verschaffen, Selbstoptmierungen, aus der Unsicherheit, in irgend einen Wettbewerb nicht genügen bzw. bestehen zu können.

Er lernt also als sklavisch Getriebener und wird eher weniger - weniger Mensch, als er es vielleicht wäre, könnte er so bleiben, dass er sich nicht kümmert.

Bild mit Jotter: (c) skizziert von Jona Jakob


Und es gibt tatsächlich immer mehr Religionen, Bibliotheken, Netzwerklehren und Weltphilosophien, die einem allein wegen ihrer umfassenden Dimension den Glauben gewinnen lassen, es sei nun möglich, alles zu erfassen, auf das es kontrolliert und gesteuert werden könne. Es ist eine Form von All-Wahn, dem höfisch erlegen wird, unreflektiert und von nichts mehr gestützt, als vom eigenen Nichts, was man ist.

Denn es ist gerade jene finite Vorstellung, eine Allmacht und ein Allwissen würde alles und jedes dingfest- und steuerbar machen, die zu nichts weiterem führen würde, als zu etwas Erreichtem, welches einem gebrauchten Präservativ ähnlich schiene.

Ich meine, wenn es einen Gedanken an einen vollkommenen Menschen gäbe, dann den, der einen grossen Raum von Nichtwissen, Nichtkönnen, Nichtberühren, Nichtsuchen, Nichtorten und ganz besonders Nichtverstehen so für sich gelten lassen könnte, einer souveränen Annahme, Liebe und Endlosigkeit gleich, dass er genau damit glücklich, ruhend und besonnen mit sich selbst verbleiben würde. Das würde ihn ganz machen.

Text von Jona Jakob, März 2015 - Copyright Jona Jakob ©

Montag, 20. Oktober 2014

Der Tod und sein Boden

Ich war an einer Klassenzusammenkunft in Bern. Schulkameraden, alle über 50, fragen mich: "Und du, Jööönu, wo wohnst du heute? In Schlieren (ZH) oder?" Jetzt muss man wissen, für einen Berner ist es schon schwer nachzuvollziehen, in der Region Zürich zu wohnen. Ich sage: "In Frankfurt."

"Ja wie? Wo? In Frankfurt? Ja du hast aber schon noch eine Wohnung in der Schweiz?"

"Nein."

"Ja, aber ..., ahaaa, in Frankfurt - de bisch du jetzt z'Dütschland!?"

Es bleibt ein Moment, wo Fragende meine Antwort hören aber nicht einordnen können. Geht nicht. Bern oder so, das würde alles 'gehen' - aber die Schweiz verlassen, das nimmt deren Gehirn nicht auf.

Am Tisch sitzen drei ehemalige Klassenkameradinnen. Eine fragt. Drei erstarren bei meiner Antwort. Dabei ist die Form meiner Antwort im "Normalo-Modus" gehalten, wenn ich einzig "Frankfurt" sage. Ich könnte ohne Probleme zwei Minuten dazu ausführen. Aber die Schweiz zu verlassen, das lässt sich auch in einfachen Signalen nicht vermitteln. Die drei reifen Frauen, mehrfache Mütter unterdessen, sitzen da und schauen mich ungläubig an.
Südlich des Flughafen bei Frankfurt / Bild: (c) Jona Jakob, privat

"Ich erkläre es dir anders: Ich sterbe in Frankfurt, das heisst, ich werde dort begraben werden." Damit hatten es alle drei begriffen. Die erlangte Klarheit war weniger intellektueller Natur, als dass sie nachfühlbar wurde.

Fremde ist mE dort, wo man nicht spüren kann, im Grab zu liegen. Die meisten wollen 'heim'. Das ist oft geburts- oder kindheitsnah und erklärt, wie jemand auch in einer abgelegenen Region grösser investiert, Häuser errichtet und Arbeitsplätze schafft. Dort ist man daheim. Als Berner kann man in Basel sterben, aber beerdigt wird man in seiner Berner Gemeinde. Und als Schweizer kann man in der hinteren Mandschurei sterben, der TCS (in D der ADAC) bringt dich "nach Hause". Auf fremden Boden zu verleichen, das spricht zwar niemand aus, aber ist für Menschen kaum erfassbar.

Mit diesem Blick erkenne ich, das es nicht 'stimmt', irgenwie "fähig oder emanzipiert" geworden zu sein, mich vom Geburtsboden, dem Kanton Bern, zu trennen, damals schon, mit 24 Jahren als ich nach Zürich zog. Denn heute lebe ich in Deutschland. Ich bin mit der Geburt, wegen deutscher Eltern, Deutscher. So betrachtet, bin ich dort hin "zurück" gezogen, wo ich allenfalls herstamme, auch wenn seit Geburt in der Schweiz lebend. Und gleichzu wurde nie mein Boden, auf dem ich bisher lebte. Ich kann niemandem erklären, warum ich nicht Schweizer wurde - aber es ist so. Einen Grund dafür kenne ich nicht.

Was meine Betrachtungen und Fragen allenfalls in ein paar Jahren aushebelt - ich lebe ja noch: ich habe ein gutes Gefühl, auch in Beirut, Konstanta oder Ostende im Grab liegen zu können. Vielmehr kommt die Frage auf, ob man für jemanden, der in verschiedenen Städten lebte, nicht auch mehrere Gräber anlegen sollte?

Jona Jakob
Zürich, Bern, Frankfurt


Text von Jona Jakob, Oktober 2014 - Copyright Jona Jakob ©

Freitag, 17. Oktober 2014

Späte Süsse - oder: Net-Fundstück aus eigener Hand

Die Tage etwas langsamer in ihrer Frische, dunkel schon und gelblich. Sich bewegen reinigt die Nase. Nachts die neue Lust, sich dicke Daunen um die Beine zu schlagen. Gläser tauschen sich in Tassen, Kühles wird zu Warmgetränk. 

Und du, du tanzt mit deinen Tchibo-Hosen und dem alten Rollkragenpulli deine Kurven durch die Küche, weich und warm und häuslich vanillen, wie heisses Hefegebäck. Geschirr und Teelöffel scheppert, als wärst du heftig beschäftigt. Frischluft macht sich am Boden breit, ich ziehe meine Füsse hoch, dasitzend, in irgend einer Ecke deines Bunten. 

Ich hör dir zu, du Erzählende, Schwappende, Überlaufende, Sahnehaube und Herbstsonnewärme. Du Duft von Holz und Trockengras, Schwaden gärendem Fruchtbrantweins, Heustober. Was ist da schon wichtig, so lange ich dich sehe, die Strähne im Gesicht, darunter das glänzende Auge und deinen Mund, von dessen blitzendem Lachen ich nicht lassen kann.

Ein Finger fährt dir feinst über die blonden Härchen im Kreuz und wartet, als wäre Sunset im Schilfgras von Mimizan. - Nachsommer. Erstherbst. Laubtrocken. Gold. Zurückbleibstille. Dünenwelle. Sanftstimme. "Miracle".

Jona Jakob



P.S. Ich fand diesen Blogkommentar vom 24.10.2010 im Internet wieder und wusste nichts mehr davon: http://blog.flowerofchange.de/Die-Tage-etwas-langsamer-in-ihrer-Frische-dunkel-schon-Jona-Jakob.html

Text von Jona Jakob, Oktober 2010 - Copyright Jona Jakob ©

Samstag, 2. August 2014

Spirit of Media-Markt

Die Tage waren seit Wochen zu heiss und jeweils am späten Nachmittag sank seine Präsenz ins Bodenlose, schleppte er sich mit seinen klebrigen Kleidern auf der Haut durch Gänge und Büroräume, erledigte scheinbar dies und das und sah eigentlich nur zu, dass sein Streben den Effekt hatte, auch andere im Unternehmen zum Aufhören und Niederlegen der Arbeit zu bewegen. Er liess Rollläden runter und schloss leere Räume ab oder machte Papiereimer leer, stelle Taschen bereits dort hin, wo sie dann nach Hause mitgenommen würden. Er hatte darin eine penetrante Wirkung und langsam gaben die letzten Eifrigen auf, der Wagen rollte vom Hof, das Geländetor zur Arbeit wurde geschlossen. 

Für einmal war noch etwas Kraft vorhanden, hatten sie alle gut gearbeitet. Zufriedenheit stärkte Resttatendrang. Seine Beste schlug deshalb vor, noch über den Main zu Frankenstolz zu fahren, um sich eine neue Überdecke und ein Kissen zu kaufen. "Hat es dort einen Media-Markt in der Nähe?" Ja. Man beschloss, zuerst bei Frankenstolz reinzuschauen und danach zu entscheiden, ob der Hund fit und an Kräften noch genug war, um in einen Media-Markt zu gehen. Alles gut. 

Ein Media-Markt befremdete ihn stets von Neuem. Dieses lila-kalte Licht grauste ihn. Und er, der kein wirklicher Konsument, kein Shopper war, konnte mit all der Auswahl an Geräten und Sortimenten nichts anfangen. Für das Angebot hatte er keinen Zugang. Wenn er also durch einen Media-Markt schlich, dann zielstrebig dort hin, wo er seinen Bedarf vermutete. Anderes konnte ihn nicht vom Weg abbringen. Ihm war danach, sich Musik-CDs zu kaufen, was in letzter Zeit wieder häufiger vorkam. Die stehen im hintersten Bereich des windungs-reichen Ladens. Er hatte noch keine Idee, wonach er suchte oder was er gerne hören würde. So streifte er mit seinem Blick die '100 Neuheiten'. 

Da er auf diese Weise beim letzten Kauf gute Erfahrungen gemacht hatte, achtete er sich während des Blickestreifens, was gerade vom Geschäft abgespielt wurde. Er blieb an diesen bekannten Klängen gleich hängen, dieser Rockstimme mit Vibrato, den Moog-Synthesizern. Noch sah er sich ein Regal an, aber dann lies ihn der Sound nicht mehr los und er strebte stracks auf den Ladenraum zu, wo ein Verkäufer sein Büro etc. hatte. "Was lassen Sie gerade abspielen? Das ist mir bekannt, aber ich komme nicht darauf? Das kennt man doch." Der Verkäufer drehte auf der Theke lapidar einen CD-Umschlag rum. Uriah Heep - aus den Lautsprechern begann 'Easy Livin'. "Yeah, die muss ich haben." Der Verkaufsmitarbeiter, sportlich, doch in den Jahren wie er selbst, begleitete ihn motiviert, als ob man sich verstünde, zu einem Regal, wo Neuauflagen für "Fünf Euros" angeboten wurden: Thin Lizzy, Procol Harum, Deep Purple, Uriah Heep, Status Quo, etc. Klar griff er sich die Uriah Heep CD und weil er sich in seiner kindlichen Jugend, also mit ca. 12 - 15 Jahren nie eine Status Quo gekauft hatte, tat er es heute, schier 40 Jahre später, die fünf Euros war ihm das Abenteuer wert.


Späte Neuzugänge / Bild: (c) bei Jona Jakob, privat

Er freute sich über die beiden Fundstücke und setzte seinen Check durch die Regale fort. Einen Verkaufstisch weiter stiess er nochmals auf den Verkäufer, der jemanden bediente. Zurückhaltung fehlte und so sprach seine Begeisterung: "Ich flippe schier aus, ich könnte hier wegen dem Sound abtanzen, so geil, das ist echt, was ich noch von früher kenne - danke nochmals für die Bedienung." Der Verkäufer nickte grinsend und in einer Mischung aus Jahrgang, Kenner und und Altersbruderschaft, die jenen späten Jahrgängen, die solche Musik nicht kennen lernten, etwas Verschworenes voraus hatte. Für die Musik musste  man entsprechenden Jahrgang haben. Prompt bestätigte der beratene, reifere Kunde in Shirt und Shorts, dass ja solcher Sound jetzt wieder angeboten würde, er möge das auch. - Dann gab es ein Doppelalbum Goa, aber das war für ihn eine spätere Zeit, als er zu Goa in Wäldern oder auf Gipfelhöhen sich mit dem Kosmos verband und durch die Nacht schwang. 

Seine Beste hatte sich um einen Wasserfilter für die Kaffeemaschine gekümmert und liess wissen, dass sie zurück zum Auto und zum Hund ginge und er solle doch einfach machen. Er fand die Kasse. Er hätte sich nicht weiter geachtet, wenn die Verkäuferin, sicher nicht viel jünger als er, nicht seine CDs so genau angeschaut hätte, nachlesend, was auf dem Cover bei Status Quo stand und bemerkte: "Die muss ich nachher auch noch haben, das war damals eine gute Zeit." Man verstand sich. Erneut fiel, diesmal von ihr, die Bemerkung, man müsse halt etwas Alter haben, um das noch zu kennen - ! Man verstand sich ohne grosse Worte und wünschte sich gegenseitig ein entspanntes Wochenende. 

Im Wagen legter er Status Quo gleich ein und erlebte eine Rückfahrt, die er sich so nicht ausgemalt hatte. Normalerweise war nur er es, der bei Musik mitging, aber diesmal und zu seiner freudigen Überraschung schwang seine Beste mit. Entzückt aber auch leicht mystisch verunsichert trieb er den satten Wagen über die Piste heimwärts, spürend, wie in dem Laden mal keine Jugend vortrat, sondern eine Energie der 60er-Jahrgänge das Klingen und Schwingen hatte, allem Kaltlicht zum Trotz, tief unter allem die Freude und das Gefühl für alten Rock. "What ever you want" - nur Headbangen zur Luftgitarre war am Steuer nicht drin. Passt schon, bei etwas Lautstärke. Und nix mehr von Abgeschlagenheit. 


Montag, 21. April 2014

Basel, 18-22g

Es ist Freitag, ich sitze im 18:00 Uhr Zug von Basel nach Frankfurt. Weil es entspannt ist, setze ich mich für einmal in den Speisewagen und bestelle. In Basel Badischer Bahnhof steigen weitere Gäste ein, darunter zwei Herren im mittleren Alter, hager und hochgeschossen, körperlich sozusagen 'elitär'. Sie sitzen auf meiner Höhe an einem der grossen Esstische und bestellen je ein Bier aber kein Essen. 


Während mir die Königsberger Klopse mit Reis und Kapernsauce serviert werden, vertieft sich deren Gespräch, ich konnte anfangs erst nicht folgen, mehr und mehr in das Thema, woher und bei wem man die besten Labormäuse oder Affen beziehen könne. Dabei ging es ohne jedes Zögern um 'Stillhalten' der Tiere, 'Reagieren' oder 'Schädelhärte' um da was aufzumachen oder einzusetzen, bis zu sezieren. Jemand der etwas feinfühlig gewesen wäre, hätte seine Fleischklösse stehen lassen. Ich nicht, ich bin Koch. Aber es scheint so, auch beim Einkauf von Versuchstieren scheinen lapidare Kriterien zu bestehen, über Herkunft, Qualität und Verwendungszweck. Freiburg, die Herren steigen aus. Ich bin innerlich bei Houllebecqs 'Elementarteilchen' - das Hantieren mit dem Besteck auf dem weissen Teller fühlt sich nach Labor an, so präzise ich versuche, letzten Reis auf die Gabel zu kriegen.


Text von Jona Jakob, April 2014 - Copyright Jona Jakob ©

Sonntag, 20. April 2014

Folgen

Das Sterben des Menschen vom späten Herbst kam absehbar und doch überraschend. Nun war er aufsmal tot. So kamen viele Dinge erst einmal "rasch". Die aufeinmal fremden Entscheidungsträger, denn selbst die fortlebende Frau wirkte in dem Moment als Fremde, wenn es um Entscheidungen seiner Bestattung ging, ergaben sich - teils unwillig, teils erleichtert - den knappen, immerselben Angeboten der Bestatter, des Friedhofes, des Redenschreibers und Steinmetz, dem Blumenladen und der Regionalzeitung. Man nahm was kam, folgte diesem schmalen Rahmen, in dem man sich unter dem Begriff Pietät behalten sollte, versuchte selbst darin noch Demut zu beweisen (nur schwarz-weisse Traueranzeige, nicht bunt) und überhaupt wäre es möglich, dieses Anschliessen ans Gegebene als dankbar zu beschreiben, weil man nicht entscheiden mag, weder vorher, dass man sterben könnte, noch danach, wenn tot, dass wer nun tot sei. Bei aller vorgekehrter Gestandenheit ist wenig Format dabei. 

Und dieses geringe, noch anerzogene Duckerformat ist ein tolles Opfer all der Gesetze, Regelungen, Erfindungen und geschickten Einbettungen sämtlicher Betriebe, die mit dem Bestatten zu tun haben und an ihm verdienen. Die haben sich über die Jahrzehnte fein eingerichtet, da gibt es keinen Handgriff, der nicht überteuert wäre. Es ist der blanke Hohn, wieviel Geld damit gemacht wird, dass wir Lebenden in der Not sind, einen Toten aus der Welt bringen zu müssen. Wehe, wenn wir den selber fahren wollten, oder woanders bestatten, oder sogar auf eigenem Grund und Boden. Nix da. Für alles gibt es Gesetze und die Totengräberlobby hat sich das längst in die Bücher schreiben lassen, was geht und was nicht bzw. wie jemand gehen darf und wie nicht.

Text von Jona Jakob, April 2014 - Copyright Jona Jakob ©

Samstag, 19. April 2014

Dare

Letzthin sass ich im Zug von Zürich nach Basel auf einem Platz am Gang. Drei Sitzreihen gegenüber sass ein junger Mann, denn ich gut und von Kopf bis Fuss sehen konnte. Dieser war auffallend eigenständig elegant gekleidet. Grossartig. Sein samtfeiner Manchesteranzug, seine eigenwillig breite Kurzkrawatte, das Türkishemd zum Aubergine des Anzugs. Das crèmige Brusttuch. Seine Schuhe, ledern und halbhoch', die Frisur weich, brutaler Chronometer und bravourös gewählte Ledertasche. Manikürt. Er kam daher, als hätte mir die Französische Küche ein Amüse-bouche kredenzt, wie ich es noch nie gesehen noch gekostet hatte. Spitzenklasse, einmalig, bestaunenswert, gekonnt - höchst gekonnt.

Doch so gewählt, sass der junge Mann als einziger im Wagen. Alle anderen Pendler waren von achtlosem Mainstream-Cashual oder funktionaler Sportlichkeit. Nicht einer oder eine, die zu dem Edelmann gepasst hätten. Und, so schien es mir, als er sich fürs Verlassen des Wagens in Basel erhob, niemand, zu dem er passte, keiner, der in irgend einer Weise an ihn gelangte. Ein Solitär im wahllosen Schleifenlassen jeder Konvention der letzten 50 Jahre gesellschaftlicher Entwicklung, einer Art erreichter Freiheit hin zur Non-Form, aber eben, dann auch niemand mehr da, der es pointiert und gekonnt betreiben, zelebrieren und leben mochte. Niemand, der sich liebte, wenn er zu Human League tanzte.


Jona Jakob, April 2014

Dienstag, 19. November 2013

Misty fog grey

>> Kannst du 'misty fog grey' noch ein bißchen definieren in Buntstiftfarben-Angaben? <<


"Hmmm...."

Weites Feld, alter Baumbestand, der Rahmen für ein Ölbild. Knappes nebelkaltes Licht. Kälte wie in diesen Tagen. Feuchte Schwaden dringen zu den Ärmeln und am Kragen rein. Sie trägt schon Stiefel, den Kragen oben und ein dickes Halstuch, als mir ein Hauch Sandelholz und Vanille anfliegt.

Es knirscht nur der Kies unter den Sohlen. Schweigend geht man nebeneinander her. Erste Begegnung, nach all den Briefen. Eigentlich ist es ein Nullpunkt, so beim ersten Mal. Das Gehen, es verhindert einen stockenden Atem. Der Puls bleibt unterm Wollenen versteckt. Beider Blicke vereint im sich verlierenden Grau des Nebels. Da hakt sie sich bei mir unterm Arm ein und schweigt weiter:

Misty Fog Grey.


Text von Jona Jakob, Jan 2009 - Copyright Jona Jakob ©

Sonntag, 10. November 2013

Drinnen in Hemd und Hose

Er war noch nicht ganz wach. Warum er wenig geschlafen hatte, war ihm nicht klar. Die unruhige Nacht hing in seinen Gliedern, ein Auge auf sah er zum Himmel rüber. Er wusste nicht, wie liegen, der Rücken und die Beine schmerzten und der Atem blieb flach.

Wer vor ihm rumtanzte, war seine kleine Hündin Phibi. Die schien wach, gewohnt, den Wochentag eine Stunde früher zu beginnen, was einen Spaziergang und 'Frühstück' bedeutete. Er staunte, was der Hund für eine innere Uhr hatte. Nun war sie fibbelig, für sie hätte längst alles losgehen müssen. Phibi war immer ein guter Grund aufzustehen.



Phibi / Bild: (c) bei Jona Jakob, privat


Er setzte sich auf, suchte nach frottierten Hotelschlappen und schlenderte zum Toilettengang. Danach zog er sich an, kein Duschen schon, die Kleider noch vom Vortag. Es war sonst niemand auf den Beinen, das Haus schlief. Es gab keinen Grund, was zu sagen oder sonst wie aufmerksam zu sein. Einzig Phibi hing ihm am Bein, wenn er seine Hosen hochzog. Hosen hochziehen bedeutete 'Weggehen' und da sie sich nicht sicher sein konnte, ob dann mit ihr oder ohne sie, machte sie auf sich aufmerksam. Hundegeschirr, Leine, Säckchen, manchmal schon den Spielball - aber heute nicht, dafür etwas Geld. Samstag, da ging er mit dem Hund zum Bäcker. 

Draussen war Wetter. Von einem Sturm zogen eindrucksvolle Wolken am Himmel. Die Luft war nicht zu kühl, der Wind hielt sich zurück. Herbstlaub von Bäumen, das war vorbei. Es fiel in den letzten Wochen, wurde schnell entsorgt. Schade um den Spass, gerade hier, wo er wohnte und Grund und Boden aus Sand bestanden. Das ergab ein trockeneres Bodenklima als sonst wo und so waren die Blätter gross, golden und dürr, so dass sie laubwarm rochen, herumwirbelten und beim Durchschreiten raschelten. Um den Hund zu ärgern, trat er mit dem Fuss ins Laub, was Phibi erschreckte und ihr ungeheuer blieb. Heute doch schien die Strasse gesittet. Spürbar vielmehr jene Nacktheit, die von den leeren Bäumen ausging. Das machte das Strassenbild schwarz-weiss und es traten die Häuser und Fenster hervor, dunkle Flächen auf weissem Hintergrund, trist und nackt wie Winter.

Damit machte der Bäcker vermutlich einen Teil seines Geldes. Sein Laden schien schon von weitem golden. Der leuchtete kräftig und einladend und so präsentierten sich seine Backwaren, die Brötchen, Gebäcke und Süssigkeiten. Morgendliches grüssen, dann kaufte er ein. Meist war es zu viel, was er sich nicht abklemmen konnte. Die Kleine hatte Stalldrang oder wusste, es würde Futter geben. Zur Wohnungstür rein, steuerte Phibi ihren Napf an. Heute musste sie warten. Das tat sie vorwurfsvoll. Er musste lachen.

Durch seine Wolljacke spürte er die Wärme des Zuhauses. Er fror selten, mochte diese morgentliche Frische des frühen Spaziergangs. Für ihn fühlte sich das wie eine kühlende Dusche an, wenn Wind sich durch die Kleider presste und sich auf die nachtwarme Haut legte. Eine Tasse Kaffee. Futter für den Hund. Danach beruhigte sich die Szene. Phibi legte sich hin. Draussen belud ein Nachbar seinen Wagen mit Fahrrädern, Frau und Kindern. Drinnen wusste er nicht genau, wozu er in Hemd und Hose dasass.


Text von Jona Jakob, September 2013 - Copyright Jona Jakob ©

Freitag, 4. Oktober 2013

Samstag und Werte vom Werten

Wären alte Zeiten, die Sachen hätten noch Knöpfe oder Regler. Aus richtigen Lautsprechern käme ganze Musik. Draussen wird es Herbst. Lenny Kravitz spielt 'Let love rule'. Bestimmt.

Ich meinte, das Leben würde leichter. Teils, teils. Wie mir scheint betrifft dies mehr das Formale, das Alltägliche. Doch was das Ausschweifen betrifft, die Schwärmerei, Sehnsüchte und kleine Formen von Taumel, die, so scheint es mir, sind mühsamer zu finden, kaum noch zu erleben, meist einsamer. Ich zünde mir eine Zigarre an. Einer meint, ich sei mir schon um den Krebs bewusst, den ich riskiere. Ein anderer fragt nach der Marke, möchte den Kenner geben, stört das Schweigen mit Geschwätz über Humidors, merkt darob nicht, dass er nervt wie der Gesundheitsapostel.

Letzthin war gut. Da traf ich mich mit einem zum Frühstück. Dem bin ich an 'nem Info-Abend begegnet und irgendwie passt es mit uns. Er bemerkte dort, dass die Sache mit der Wertschätzung auch mal ranzig werden könne. Das löste bei mir ein Lachen aus. Nun sassen wir beim Frühstück im Café Ernst und wussten nicht genau warum. - Gerne würde ich mit wem Jarrett hören, bis wir es nicht länger ertragen würden. Mit jemandem, der mitpfeifen kann, einem, der weiss, was wann einsetzt, wann es sich verliert und wo die feinen Momente sind, wo Jarretts Spiel mir die Hand aufs Herz legt.

Toll wäre ein Musikverkäufer, der mir im Geschäft zehn, fünfzehn CDs hinlegt, weil er meine Richtungen kennt, in die ich suche, reinhöre, geniesse, kaufe. Einer der weiss, wer mit wem im Studio stand und warum das seinen Einfluss hat. Und danach treffe ich mich beim Italiener - es ist Samstag. Mittags kann ich ein Glas ertragen, die Herbstsonne lädt gerade zu ein. Terrasse.

Es hat etwas unbeholfen Verlorenes, dass ich immer wieder dieselben Sachen möchte, die nicht sind. Man könnte meinen, ich käme nicht vom Fleck, wäre der immer selbe Langweiler. Dem würde ich zustimmen, würde ich meinen Faibles nachleben, machen, tun. Aber dem ist nicht. Erbärmlich. Ich putze die Küche, falte T-Shirts zusammen, streiche glatt, räume weg. Ordne - säuberlich.

Unterwegs bin ich mässig aktuell, mit Rollkoffer, Ticket, Geschäftigkeit und einem Kopfhörer. Ein Kopfhörer scheint besonders wichtig, um aktuell zu sein. Wegen all der farbenen mit grossen Hardplastikschalen habe ich mir so einen aus dem Sprachlabor gekauft, ohne Mikrofon, schaumstoffen, atmungsaktiv und Grau in Grau. Gegen den Trend hat er sehr wenig Geld gekostet. Damit hat er Chancen, später zerschnitten zu werden, damit ich an die Kabel Lautsprecher verdrahten kann. Weiss wer noch, als man Lautsprecher verdrahtete, um zu Sound oder mehr Sound zu kommen? Lautsprecher, diese Mannsinsignien, die jedem Wohndesign zuwiderlaufen, ausser man sei ein Don-Johnson-Lümmel und fände sie geil, symmetrisch gegenüber dem Jetbett. - Ich überlege mir, dass es ja nicht die alten Aufregungen sein müssten. Hat denn nicht jede Zeit Dinge, denen man mit Freunden verschworen nachgeht?

Bei Minusgraden draussen auf dem Töffli rumsitzen, bloss nicht nach Hause. Sonntags die Karre mit Surfbrettern bespannen, ob je gesurft wurde oder nicht. Hauptsache übertrieben und angeben. Mit dreissig war's dann witzig, ne Ami-Karre zu fahren, so dass man zu dritt vorne sitzen durfte, sich wo Drogen beschaffen und die nächste Goaparty anrollen. Heute sollen Fahrten auf der Weinstrasse oder mit dem Rheinschiff mich bespassen. Auch sollen mich Präventionen beschäftigen. Meinen Arsch durchleuchten, abnehmen, Zucker messen. Messen ist Gesetz, will weiss wer noch Werte ausgewiesen haben. Werte - sind das die neuen Werte?

Und nu? Einen Blogg schreiben? Whisky kellern? Scheiss sammeln? Einen Hund habe ich schon. Fliege tragen? Lederbatten auf den Ellbögen des Manchesterjackets? Dandytücher? Frisur wie Tennis-Borg? Bart?

Samstag. Was an Inhaltlichem bringe ich mit und wem?


Text von Jona Jakob, September 2013 - Copyright Jona Jakob ©

Montag, 3. Juni 2013

Namaste

Vor zehn Tagen fuhr ich im ICE von Zürich nach Frankfurt. Bis Mannheim war ich mit zwei älteren Damen im Gespräch, welche in Basel Kunst besuchten. Die eine Dame stieg in Karlsruhe aus, mit der zweiten gewann das Gespräch noch an Kontakt und Verständnis. 


In Mannheim, der Zug stand schon, verabschiedeten wir uns namenlos, doch die Dame, beinah schon sich abgewendet, rückte sie sich zurecht und stellte, wie zum asiatischen Gebet ,ihre freie Hand in gestreckt offener Haltung vor sich an die Brust und sprach mir dann, sich verbeugend, ein "Namaste" aus, eine Geste, die, wie mir in dem Moment schien, sie machen wollte, aber nicht immer und nicht für jeden, so unsicher war sie darin und doch willentlich nachdrücklich, um noch etwas mehr zu sagen, als das zuvor geäusserte "Danke, tschüss. Kommen Sie gut nach Hause.."



Jona Jakob, Juni 2013

Montag, 20. Mai 2013

... und einem von Zärtlichkeit verzauberten Herzen

Suche die Freiheit so heftig Du vermagst; aber Du wirst Dich nie befreien können von einer dumpfen Sehnsucht nach einer tiefen Liebe. Denn ohne Liebe ist diese Welt eine tote Welt. Und es wird immer Stunden geben, da Du der Gefängnisse der Arbeit und des Mutes müde bist und Dich nach dem Antlitz eines Menschen verlangt und einem von Zärtlichkeit verzauberten Herzen. 


Hans Willi Klaus Jakob / Bild: (c) bei Jona Jakob, privat

H. W. Klaus Jakob, 1980/81 ... mein Vater

Mittwoch, 15. Mai 2013

Ich möchte Menschen viel weiter über diese Brücke des Bestehens verführen

Weisst du, meine Liebe, mir ist es nicht mehr wichtig, dass sie ihre Potentiale in Stärken und Werken zu bündeln vermögen - unterdessen und mit den Jahren möchte ich Menschen viel weiter über diese Brücke des Bestehens verführen, dort hin, wo es ein wunderbares Gefühl ist, ein Taumeln und wohliges Sich-gehen-lassen, wenn Potentiale und Lücken Lücken bleiben, Nichtse, Leeren, Unsicherheiten, Bodenlosigkeit, Glatteis und Nichtortung ... dort ist es so erleichternd treibend, "samad", dort fliesst es und strengt nicht  weiter an. Dort ist Grösse, schier unmögliche Grösse ... 

Jona

Mittwoch, 8. Mai 2013

... höchste Form der Wertschätzung

"'Weg- oder fernbleiben' ist vielleicht die höchste Form von da-seiender Wertschätzung. 

Jona Jakob, Mai 2013

Montag, 6. Mai 2013

Park Schönbusch oder Schwärmerei fürs Geheimnis

Da mein kindlicher Berufswunsch 'Spion' war, träumte ich schon in sehr jungen Jahren von leeren Parkanlagen. Ich würde, da es November wäre, in einem grünen Lodenmantel und dem dazu passenden Lodenhut über gekieste Wege zum vereinbarten Treffpunkt schreiten und wortlos geheime Zeichen austauschen, auf das sich die Machtverhältnisse in dieser Welt verschöben. Das war damals mein Plan.


Jetzt muss man wissen, dass ich in Bern aufwuchs, Sohn zweier arbeitender Eltern, Mietwohnung, Schwarz-Weiss-Fernseher, kein Auto, also alles ganz normal, für die 70er-Jahre. Und obwohl ich doch oft reisen durfte, nach Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien, weiss ich bis heute nicht, woher ich die Idee des Klassizistischen, des Royalen, dem Grossbürgertum und sonst so Geschwulst her habe, gibt es solcherlei, auch historisch gesehen, in der Schweiz "nicht". Für mich lief man nicht oder ging, für mich schritt man. Mein Lieblingsmuster, ich war damals zehn Jahre alt: die französische Lilie, egal wie sich die Burbonen geschichtlich ins Licht rückten. Es durfte alles dunkelblau und tiefrot sein und gegen jeden Zeitgeist liebe und brauche ich heute noch gezierte Teppiche und keine platte Böden.

Diese Liebe blieb. Noch heute verpasse ich keine königliche Hochzeit, Geburt oder sonst solch Begebenheit. Und ich liebe die staatsmännische Geste, wo Kohl mit Miterand Hand in Hand stehen oder Willi Brandt in Warschau kniet. Selbst das ultimative Beordern der Royal Navy durch Margaret Thatcher, um die öden Felsen der Falklandinseln zurückzugewinnen, so dass auch am 'A...' der Welt die alte Ordnung wieder hergestellt sei, rief in mir jenes Gefühl wach, welches diffus und unerklärbar nach Zeug wie Ehre, Haltung, Einstehen und Klarheit rief. Was habe ich damals gedacht: "Versuch das mal in der Schweiz, mit ihrem 'Jääääähhh' und 'Ööööööhhh' und 'mir wöi lueeegä'." Ok, ich weiss, das ist alles juvenil missverstanden und verdreht.

Zurück zur Parkanlage. Wann immer ich dann nach Frankreich kam, Strasbourg, Gien, Nantes, Bourg, Dijon, Lyon, Montpellier oder wo sonst noch, ich liebte diese strengen Parkanlagen, für die sich niemand so richtig mehr interessierte und die für Touristen gepflegt wurden, die aber eigentlich zur Lust dienen sollten, zum Flanieren, Wandeln, Tagträumen und zum Geplänkel zwischen allerlei Geschlechtern. Für mich sind solche Parkanlagen und Rosengärten, Weiher und Auen Horte des Geistes, des Anmuts und der gelassenen Reflexion, die nicht unmittelbar nach Antworten sucht, da damit das Vergnügen des genüsslichen Müssigganges etwas an Würze verlöre.

Gestern, als mir Park Schöbusch bei Aschaffenburg gezeigt wurde http://de.wikipedia.org/wiki/Park_Sch%C3%B6nbusch , war in mir wieder alles erweckt. Wie in einem Leben vor meinem Leben geriet ich in einen anderen Schritt, der Rücken aufrecht, der Blick in der Ferne lieblicher Senken, Wiesen, Buschgruppen und Wäldchen, durch diese unsere Wege führten.

(Aus Quelle: 1) Der Park Schönbusch (auch Schöner Busch oder französisch Bois-Jolie) bei Aschaffenburg zählt zu den ältesten und größten im Stil des englischen Landschaftsgartens ausgeführten Parks Deutschlands. Er ist heute ein wichtiges Naherholungsgebiet.

Der Mainzer Kurfürst und Erzbischof Friedrich Karl Joseph von Erthal ließ ab 1775 in der Nähe seiner Nebenresidenz Aschaffenburg, in der er sich vorwiegend im Sommer aufhielt, einen Lustgarten anlegen. Ausgangspunkt dafür war das als Kurfürstliche Fasanerie und zur Jagd genutzte "Nilkheimer Wäldchen".

Ideengeber für die ältesten Gestaltungselemente war der kurmainzische Staats- und Konferenzminister Wilhelm Friedrich von Sickingen(1729–1818). Der Architekt und Ingenieur im Offiziersrang Emanuel Joseph von Herigoyen (1746–1817) begann ab 1775 damit, die Planungen umzusetzen. Die Vorstellungen orientierten sich ursprünglich am Ideal des jardin anglais-chinois; so entstanden unter anderem auch spannungsvolle Landschaftselemente wie die Kaskade und sogar dramatische Parkstaffagen wie die Teufelsbrücke.

Die landschaftsgärtnerische Umsetzung des damals auf dem Kontinent noch wenig bekannten englischen Stils wollte anfangs allerdings nicht so recht gelingen. 1783 wurde schließlich der Schwetzinger Hofgärtner Friedrich Ludwig Sckell mit der Parkgestaltung beauftragt. Vor allem von Sckell hat den Grund gelegt für die über 200-jährige Entwicklung, als deren Ergebnis das heutige Erscheinungsbild des Parks zu betrachten ist. Die Parkanlage wurde von Beginn an als Volksgarten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Vom Übergang des überwiegenden Teils des alten Mainzer Oberstiftes an die Krone Bayern, 1814, gehörte der Schöne Busch bis zum Ende der Monarchie, 1918, zu den königlichen Hofgärten. Heute wird er von der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen verwaltet. (1: Wiki)

Egal, ich hätte gerne meine gerüschten Kniesocken gestrafft und die Perücke gezupft, noch etwas die weissen Handschuhe ausgeklopft und wäre dann, 'in flagranti' unterwegs, dem Duft einer Holden gefolgt, begleitet von Schmetterlingen und Zwitschervögel, auf das ihr Odeur aus dem Hause Guerlin seinem Namen alle Ehre machen würde. Ein Ruderboot, ein Stelldichein, ein Sonnenschirm für Madame, und mein Geflöte aus Büchern, Versen oder sonst Weltlichem. 

In mir vermisst es dieses Gehobene und Gestellte, im Sommer Leuchtende und des Herbstes nebliges Heim. Der Park. Ich möchte hier denken und etwas schreiben. Hier zieht es mich an, das Gepflegte und Grosszügige. Hier danke ich heute jedem Visionär, mir vor 200 Jahren die Zukunft gelegt zu haben. Denn da, in der Verschlungenheit von Wiesen und Schatten, Brücken und Bächen, zwischen Türmchen und Irrgarten und der Natur Färbungen, da lässt es sich in aller höchstem Genuss von Gepflogenheit ein Geheimnis bewahren, ein Stillschweigen, ein unausgesprochenes Verstehen, den 'Jardin des Bagatelles', dessen Kuss kein Wort vorauseilt.

Ich bin wieder hilflos ergeben ... - und das gestern.


Text von Jona Jakob, Mai 2013 - Copyright Jona Jakob © ... mit Ausnahme des Wiki-Teils.

Donnerstag, 25. April 2013

Internet-Provider oder Hohle-Gasse-Geschäftsmodelle

Es geht mir nicht darum, irgendwie stolz auf etwas Selbsterkenntnis zu sein oder zu betonen, dass es mir gut tut, Internet, Mail und Mobile wieder als reine 'Werkzeuge' bewusst machen zu können, womit ich meine, meine Lust am Tummeln im Internet unabhängiger wird. 

Vielmehr will ich schreiben, dass ich bei meinen letzten beiden Umzügen beinahe meine Bücher weggeben hätte, da ein Kindle alles regeln würde. Doch ich habe sie behalten. 

Ich wollte auch schon alle ca. 500 CDs an einen Re-Buyer schicken, nicht nur des Geldes wegen oder weil der Keller etwas leerer wäre, sondern weil die mir wichtige Musik auch im Notebook erhältlich ist, ob gebrannt oder als Stream. Doch NEIN, ich behalte die Dinger, nicht zuletzt zu erwähnen, dass ich auch ca. 300 Vinyl-Langspielplatten trocken und sicher aufbewahre. Meine Stereo-Anlage ist weniger 'commercial' than 'high end', ich weiss also noch, wie es eigentlich klingen müsste.

Meine Kontakte und Verknüpfungen habe ich nach fünf Jahren XING so herzlich beisammen, dass ich mit denen längst in realem Kontakt stehe. Virtuelle, gesammelte oder gekaufte "Friends" habe ich nicht. Und nicht zuletzt bin ich mit mir wichtigen Kontakten im Internet gar nicht mehr verknüpft, die Bande hält über alles hinaus auch 'ohne'.

Noch vor kurzer Zeit wolltet ihr mich dazu verführen, mir leichte mobile Internetgeräte zu kaufen, die weder Programme noch Software benötigen würden, da ja alles aus dem Internet bezogen werden könne, just-in-time. Doch nein, ich habe noch ein solides Notebook, das wie ein Computer vollständig funktioniert, mit Laufwerk und Software, die auch hier im Regal aktuell und unabhängig steht, legal erstanden und mir.

Meine Bilder und Daten in eine Cloud hochladen? Bestimmt nicht, never! Es sei irgendwie sinnvoll, meine Datenmengen fremdbestimmt einzulagern, weil ich sie dann auf mehreren Geräten aktualisiert nutzen könnte? Schwachsinn. Vielmehr mache ich mich zum abhängigen Trottel von Filtern, Überwachungen, hohlen Gassen und Geldmaschinen. Bin ich da je davon abhängig, wird es eines Tages kosten.

Ich besitze bewusst kein Smartphone, weil mir das mein Notebook liefert, was ich brauche. Den Rest an Lebensmut bewältige ich mit all den Erfahrungen, den erfolgreichen aber auch den scheiternden, dich ich eh gemacht habe - und was soll ich sagen: gegen sieben Jahre Pfadfindertum, windlosem Segeln auf dem Zürichsee und ein paar 100-Km-Läufe kommt ihr mir mit Google, Navi, Wiki etc. nicht so weit an, als dass ich vor lauter Abhängigkeit mich nicht durchzuschlagen wüsste. Ich habe Koch gelernt, vermag freundlich und aufrecht "Guten Tag" zu sagen oder nach dem Weg zu fragen und kann Schreiben - das genügt vollauf.

Schreiben ... ich besitze noch ein eigenes WORD oder einfach gesagt OFFICE-Paket. Ich muss nicht auf Cloud-Software vertrauen, ob für meine Schriftdokumente oder deren Versand. Glaubt mir, vor wenigen Tagen habe ich meine diversen Briefpapiere, Umschläge und Karten bis hin zu Postmarken hier feinsäuberlich geordnet. Die liegen also ganz konkret vor. Ich kann mit denen bestens.

Wessen Geschäftsaktivitäten ich nur noch mit einer Facebookmitgliedschaft wahrnehmen kann, der muss auf mich als Kunden, Liker oder Friend verzichten. Ich habe Geld, eine Bahn, ein Telefon und Lebenszeit, mich ganz real zu orientieren.

Und so möchte ich wenigsten mir selber bewusst machen, dass es ein Hohn sein muss, mich vor wenig Zeit über alle Daten (Dokumente, Fotos, Videos, Musik) ins Internet und Clouds zu verführen, mir das Internet per App und Fremdsoftware als "leichter, schneller, geiler" zu verklickern ... und nun die Datenmengen so zu regulieren, dass ich spürbar abhängig am Tropf hängen soll.

Nö. Ich werde wegen euch nicht durch diese hohle Gasse kommen müssen. Für den Bedarf kein Angebot zu haben, ist diesmal nicht meine Schwäche, sondern eure. Ich werde genüsslich mal in eines der Bücher gucken, eine LP auflegend.

Cheers.

Jona Jakob


Text von Jona Jakob, März 2013 - Copyright Jona Jakob ©

Montag, 22. April 2013

Dich oder die anderen.

Spürst du nicht dich selbst, spürst du nur die anderen. 

Jona Jakob, April 2013

Wenn es sich selber zeigt.

Je älter ich werde, desto mehr geniesse ich jenes Gefühl, wenn ich etwas nicht verstehe. Früher wollte ich etwas Unerklärbares dringend checken, erahnen, forschen, eintüten, bewerten. Heute wird das immer seltener - ich warte ohne Verstehen einfach ab und lasse diesen Platz frei. Aufs'mal zeigt es sich mir, wie es ist, wiegt, steht und wo es hingehört. Es hat sich dann selber gezeigt. 

Jona Jakob, April 2013

Sonntag, 31. März 2013

Wie der Herr mir eine Aufgabe ermöglichte


Obwohl seit Geburt konfessionslos, das existenzialistisch erzogen, war ich viel später eine Weile verheiratet. So kam es, dass ich durch meine damalige Frau in die protestantische Kirche in Zürich Wiedikon, Kreis 3, kam. Da ich die Pfarrersfamilie und viele Nachbarn aus der Kirchgemeinde sehr gut mochte und ich eine Chance sah, einen Beitrag leisten zu können, organisierte ich mehrere Jahre das Osternachtfeuer. 



Der Anlass begann in der Dunkelheit des frühen Ostermorgens in verdunkelter Kirche. Orgel und Bläser spielten im Turm, so dass das Viertel beschallt wurde. Dann reichten wenige Kerzen, die grosse Gesellschaft im Schiff zu vereinen. Alles, was die Liturgie betraf, war für mich tabu. Hier kümmerte sich mein Freund Conrad Zwicky, Organist, für die Realisierung. Ich sorgte, Bereich 'Gastro', fürs Programm, die Koordination und last but not least für ein Frühstück, welches in den Jahren darauf den Zulauf an Teilnehmenden stets erhöhte. 

Das Tolle und zu tiefst Eindrückliche an dem Anlass aber war, dass im Verlauf der Liturgie, die sich mit dem 'Hoffen auf die Auferstehung Jesus'' befasst, der Tag anbrach, so dass es in der Kirche ansatzweise hell und draussen beim Feuer noch heller wurde. Das Erhellen linderte die Anstrengung für die Augen und gab einem so etwas wie Sicherheit zurück. Diese Verbindung von Gedanken an ein heilvolles Auferstehen und das Erscheinen des Tages blieb eindrücklich und von starker Kraft zurück. 

Damals rief es sich: Kyrie eleison - Herr, erbarme dich. 

Dieses Jahr nutze ich Ostern, um die Tage verstreichen zu lassen, ebenfalls eine Art Akt, Dinge vergehen zu lassen, damit neue sich hervortun. 

Besinnungsvolle Ostergrüsse.


Text von Jona Jakob, März 2013 - Copyright Jona Jakob ©

Dienstag, 5. März 2013

Das Dumme an meiner Empathie

"Das Dumme an meiner Empathie ist, dass ich dir ganz und gar nachfühlen kann, aber das Problem nicht mag."


Jona Jakob, März 2013